Die Reisen der PAXYA-VEGA

  • Nachforschungen.


    Logbuch PAXYA-VEGA / 20. November 3304


    Proxima Centauri, früher Nachmittag. Endlich erreichte ich mit der PAXYA-VEGA Hutton Orbital und begab mich direkt auf die Suche nach Beweisen. Als erstes flog ich zu den Koordinaten an der die ANNABELL explodierte. Einmal noch wollte ich Franceska nahe sein und mich persönlich von ihr verabschieden. Auch wenn sie körperlich nicht anwesend ist, geistig ist sie es und in meinem Herzen für immer mit diesem Ort verbunden.


    Ich dropte raus aus den Super Cruise und direkt rein ins Trümmerfeld.


    Plötzlich leuchtete eine Schaltfläche an einer der Konsole im Schiff auf. Das Symbol kannte ich nicht und mir war auch nie bewusst so etwas selbst einprogrammiert zu haben. Geschweige denn die Funktion die eventuell dahintersteckt.


    Neugierig tippte ich auf das Symbol. Daraufhin meldete sich die KI des Schiffes.


    "Bitte legen sie für die Authentifizierung ihren Arm auf den Scanner."


    Es öffnete sich eine Klappe und ein Scanner kam zu Vorschein. Auch dieser war mir vollkommen unbekannt. Und was soll das bedeuten?

    "Bitte legen sie den Arm auf den Scanner"?

    Handflächen- oder Irisscan waren mir ja bekannt, aber Armscan? Auf einmal viel es mir wieder ein. Na klar, der Chip in meinem Unterarm. Hat Franceska an meiner PAXYA-VEGA rumgebastelt bevor wir damals nach Hutton aufbrachen oder war es Hilda im nachhinein?

    Ich legte also meinen Arm auf den Scanner. Promt kam die Rückmeldung der KI.


    "Authentifizierung Cmdr. Paul AkGuru erfolgreich. Die Blackbox wird freigegeben."


    Schon wieder ein Rätsel. Blackbox? Und wieso freigegeben? Ich dachte die Blackbox wurde bei der Explosion zerstört. Auf die Antwort brauchte ich nicht lange warten. Das Holo-Radar zeigte mir direkt wohin ich mich wenden soll. Irgendwie wurde durch den Scan meines Arms etwas da draußen im Trümmerfeld aktiviert. Ich setzte Kurs darauf und öffnete die Frachtluke. Nachdem ich das unbekannte Artefakt geborgen hatte ging ich in den Frachtraum und untersuchte es. Es war tatsächlich eine Blackbox. Ich nahm sie mit ins Cockpit, schloss sie an die Schiffs KI an und gab den Befehl die Daten abzurufen.


    "PAXYA-VEGA Daten der Blackbox entschlüsseln und auswerten."


    Ich wartete ungedultig. Sekunden wurden zu Minuten. Als sich die KI meldete.


    "Auswertung abgeschlossen, Daten könnten in Audio oder schriftlich wiedergegeben werden."


    "PAXYA-VEGA bitte Audio abspielen."


    Ich hörte wie Franceska den Befehl zum Start der ANNABELL gab und wie ich mit ihr die letzten Worte wechselte.

    Langsam bildetete sich ein Kloß in meinem Hals. Ich wollte das ganze nicht nochmal durchstehen, zu tief sitzt noch der Schmerz. Aber ich musste wenn ich Antworten haben wollte.


    "Paul ich versteht dich ganz schlecht. Kannst du das bitte nochmal wiederholen?"


    "Verlass sofort die ANNABELL."


    "Was sagst du Paul? Warte mal kurz hier stimmt was nicht. Ich melde mich gleich wieder."


    "SCHNELL!!! RAUS AUS DEM SCHIFF!!!"


    Doch dann war alles neu.


    "Paul bist du noch da? Egal hör zu. Hier stimmt was nicht. Totale Überhitzung in allen Systemen. Jemand hat das Schiff manipuliert. Ich steige aus. Ich sitze jetzt in der Rettungskapsel und werde rausgeschossen."


    Dann hörte man immer mehr Explosionen im Hintergrund und noch einmal die Stimme von Franceska. Sie stand immer noch in Verbindung mit der Blackbox des Schiffes. Diese Blackbox war was Besonderes.


    "Ich bin jetzt draußen Paul und sehe die ANNABELL explodieren. Moment da kommt ein Schiff. Ich werde aufgesammelt. Ich hoffe das bist du Paul."


    Danach kam nichts mehr. Ende der Übertragung.


    Ich war überrascht und erfreut sogleich. Franceska hat es geschafft. Sie hat überlebt. Ich untersuchte die Blackbox erneut konnte aber nichts Ungewöhnliches entdecken außer den drei Buchstaben der ISA.


    Aber mir war jetzt klar warum man keine Blackbox gefunden hatte. Franceska hatte sie so modifiziert, dass die Blackbox sich nur ausgewählten Personen zu erkennen gibt. Aber sie hatte nicht mit meiner Verhaftung gerechnet.


    Jetzt war die Frage wer hat Franceska aufgesammelt und wo war sie jetzt? Hilda konnte ich nicht um Hilfe fragen. Wenn ich ihn kontaktiere ist gleich die ganze ISA hinter mir her und ich ziehe wohlmöglich ihn als Komplizen noch mit rein. Nein diesmal musste ich da selbst durch.


    Ich fasste nochmal alles zusammen. Im Mittelpunkt stand meine alte Studienarbeit, die als Waffe verwendet werden könnte. Was braucht man dazu außer Technik und Materialien? Natürlich eine passende Energiequelle für Gammastrahlen. Also einen Pulsar oder besser weißen Zwerg. Aber direkt so etwas an einem weißen Zwerg zu bauen geht auch nicht beziehungsweise es wäre sehr unbequem und aufwändig. Man müsste also eine ausreichend große Energiequelle finden, die man nach Errichtung der Anlage dazu bringen kann zum weißen Zwerg zu werden.


    Ich überlegte. Wo würde ich so etwas errichten?


    Da kam mir die Idee. Rote Überriesen. Sie haben das Potenzial zu einem weißen Zwerg zu werden und bieten den Vorteil die gesamte Apparatur in relativ gemäßigten Verhältnissen vorab zu konstruieren.


    Wenn Rote Überriesen geschickt manipuliert, könnte man sie theoretisch dazu bringen vorzeitig zum weißen Zwerg, Pulsar oder schwarzen Loch zu werden. Wie man dies praktisch bewerkstelligt fand schon Prof. Dr. Dr. Karl Winzlinger im Jahre 2965 heraus. Seine Bücher waren Pflichlektüre an der Universität wenn es um Stellarphysik ging.


    Der beste Kandidat in moderater Nähe dafür war VY Canis Majoris. Mit seinen 1420-fachen Sonnenradius und 40-facher Sonnenmasse scheint der Stern wie gemacht dazu. Außerdem liegt der Stern genau in dem Fluchtvektor, den die Transporter nehmen sollten, als sie damals von Hutton ablegten.


    Voller Hoffnung setzte ich Kurs Richtung VY Canis Majoris.

    Franceska halte durch.

  • Rettungsanker.


    Logbuch PAXYA-VEGA / 10. Dezember 3304


    Wochenlang irrte ich in der Blase herum um einen Ort zu finden wo ich mich auf Reise nach VY Canis Majoris vorbereiten kann.


    Ich brauchte dringend Lebensmittel und Material für diese Reise. Aber woher soll ich dies bekommen? Ich wurde ja steckbrieflich gesucht. In jeder Station hing ein Bild von mir, und überall wo ich auch hin kam war die ISA nach wenigen Stunden schon Vorort.


    Wo aber nur war der sichere Hafen für mich? Ich musste ein Risiko wagen und setzte Kurs auf Gwiona in der Hoffnung, dass ich im Schutz der Stargazer Agency wenigstens ein paar Tage Ruhe vor der ISA haben werde.


    Ich wurde nicht enttäuscht. Gibson Station gab mir den Schutz den ich gebraucht habe. Nirgends hing ein Steckbrief von mir. Warum auch immer. Mir war es recht. Jetzt konnte ich mich in Ruhe gut vorbereiten und meine Vorräte auffüllen. 10 Tage habe ich dafür gebraucht.


    Die PAXYA-VEGA wurde auf den neuesten Stand gebracht. Ich war begeistert von der neuen Explorer-Software. Sie würde mir sicher bei der Suche nach Franceska sehr behilflich sein.


    Heut Abend werde ich dann endlich aufbrechen können.


    Persönlicher Vermerk:

    >>Ich hoffe, dass es Franceska gut geht. Seit dem Vorfall bei Hutton Orbital sind immerhin fast 2 Monate vergangen.<<

  • VY Canis Majoris.


    Logbuch PAXYA-VEGA / 24. Dezember 3304


    Mittlerweile ist Weihnachten. Ein Fest was ich seit meiner Kindheit nicht mehr gefeiert hab. Ich hatte eigentlich gehofft dieses Jahr könnte sich dies wieder ändern und ich würde dieses Fest zusammen mit Franceska, Hilda, Andromeda und den Kindern feiern. Aber die Suche nach Franceska und meine Rehabilitation bei der ISA gehen nun mal vor. Ich muss unbedingt meine Unschuld beweisen.


    Es war mühsam sich unbemerkt durch die Bubble zu schleichen und dementsprechend lange dauerte es, bis ich endlich VY Canis Majoris erreichte. Nur noch ein Sprung und ich würde Gewissheit haben. Hoffentlich liege ich richtig mit meinen Vermutungen. Ich startete den FSA zum letzten Sprung, tauchte in den Witch Space ein.


    last_jump.jpg


    Nach einem gefühlt endlosen Sprung erreichte das Zielsystem. Schon 5991 Ls vor dem Stern wurde ich aus dem Witch Space geworfen.


    5991.jpg


    Der Anblick des Roten Riesen war atemberaubend. Mit 17‘000 Sonnenmassen und einer Größe von 1‘419‘999 Sonnenradien war er einfach nur ein Gigant. Würde die Sonne durch ihn ersetzt werden, dann würde er sich bis zur Umlaufbahn des Jupiters ausdehnen. Aber für Schönheit und Wissenschaft habe ich jetzt keine Zeit.


    canis_m_2.jpg


    canis_m_1.jpg


    "PAXYA-VEGA bitte System scannen."


    "Scanne System, Systemscan abgeschlossen."


    "Irgendwelche Auffälligkeiten?"


    "Negativ Commander. Keine Auffälligkeiten gefunden."


    Merde!!! Da stimmt doch irgendwas nicht. Ich war mir so sicher.


    "PAXYA-VEGA bitte System nochmal scannen."


    "Scanne System, Systemscan abgeschlossen. Eine unbekannte Masseansammlung wurde gefunden."


    "PAXYA-VEGA bring uns dahin."


    Die PAXYA-VEGA setzte Kurs, drehte bei und ging in den Normalraum über. Plötzlich gingen die Sirenen los.


    "ACHTUNG Annäherungsalarm. ACHTUNG Annäherungsalarm Sofort ausweichen."


    schutt.jpg


    Ich riss sofort das Steuer rum und verhinderte somit eine Kollision. So viele Trümmer auf einem Haufen hatte ich noch nie gesehen. Das muss was Gewaltiges gewesen sein.


    "PAXYA-VEGA bitte analysiere die Trümmer und versuche eine virtuelle Rekonstruktion."


    "Analyse läuft, versuche Rekonstruktion, voraussichtliche Dauer 30 Minuten."


    Ich nutzte die Zeit und startete meine eigne Analyse der Trümmer. Plötzlich blinkte ein schwaches Signal auf dem Bildschirm auf. Ich stutzte und suchte nach dessen Ursprung. In Mitten der Trümmer wurde ich fündig und steuerte mein Schiff ganz vorsichtig zum Ziel. Nur keine Kollision riskieren. Das Signal kam von einer Rettungskapsel. Ich erreichte die Rettungskapsel als sich das Schiff meldete.


    "Rekonstruktion abgeschlossen."


    "Bitte auf den Schirm legen, Bergung der gefundenen Rettungskapsel einleiten und Sicherheitsfeld um die Kapsel aufbauen."


    Ich schaute mir das Konstrukt an was sich langsam Schicht für Schicht auf meinem Bildschirm aufbaute und staunte nicht schlecht. Eine riesige Phalanx gigantischem Ausmaßes wurde erkennbar. Sie war über 180 km lang und fast genauso breit. Mit einer Tiefe von fast 35 km. Ich hatte also Recht gehabt. Hier wurde etwas gebaut und das sah genauso aus wie meine Studienarbeit nur um den Faktor 10 größer. Aber was war passiert? Warum diese Trümmer? Und wo sind die Drahtzieher hinter dem ganzen geblieben? Egal erst einmal muss ich mir jetzt die Rettungskapsel anschauen.


    Ich verließ das Cockpit und ging in den Laderaum. Die Rettungskapsel war unversehrt. Eine blaue Lampe blinkte rhythmisch an der Kapsel auf. Dies bedeutete nur eins. Die Kapsel ist schon lange der Kälte des Raumes ausgesetzt gewesen und die automatische Sicherung hat zum Schutz des Insassens die Not-Kryostase eingeleitet. Anders konnte die Kapsel das Überleben nicht mehr sichern.

    Ich tippte auf das Bedienfeld und schaute auf das Display. Dort stand geschrieben:


    >> Not-Kryostase aktiv seit 20 d 5 h 12 min. <<


    Schon 20 Tage Not-Kryostase. Hier musste medizinisches Fachpersonal ran. Der Unterschied zwischen normaler und Not-Kryostase besteht darin, dass die Not-Kryostase dramatischer eingeleitet und dem Körper hierbei extrem viel Stress zugeführt wird. Würde man jetzt einfach so diese Kryostase aufheben kann es zu Folgeschäden kommen.


    Aber eins wollte ich noch wissen wer ist in dieser Kapsel?


    Abermals tippte ich auf das Bedienfeld und das UV-Schutzglas wurde durchsichtig.


    Ich traute meinen Augen kaum was ich sah…

  • Geisel


    Franceska bemerkte einen leichten Ruck an ihrer Rettungskapsel. Eine Sammeldrohne nahm diese auf.


    "Das kann nur Paul sein. Ein Glück er hat mich gefunden." dachte sie sich.


    Doch sie hatte sich getäuscht. Das war nicht Paul. Als die Rettungskapsel im Schiff geöffnete wurde, wurde sie sehr unfreundlich empfangen.


    "Aufstehen und mitkommen!"


    "Wo bin ich hier?"


    "Keine Fragen. Aufstehen und Mitkommen!"


    Ihr wurde eine Waffe unter die Nase gehalten und ihr wurden Handschellen angelegt. Danach kam sie in einen dunklen Raum. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam man um sie zu Verhör abzuholen.


    "Wie ist ihr Name?"


    Natürlich gab Franceska keine Antwort.


    "Wo kommen sie her?"


    Franceska schwieg weiterhin.


    "Was ist ihr Auftrag?"


    "Sie können mich verhören so oft wie sie wollen, von mir erfahren sie kein Wort."


    "Nun gut wir werden sie noch weichkochen. Bringt sie zurück."


    Sie wurde wieder in den Raum gebracht woher sie abgeholt wurde. An den nächsten Tagen wurde Franceska wieder und wieder verhört. Aber was sie auch versuchten, sie bekamen nichts aus ihr heraus. Die ISA hatte Franceska für solche Zwecke perfekt mental geschult.


    Sie wusste nicht wie viele Tage sie bereits unterwegs war und wohin sie gebracht wird, aber irgendwann war das Zielsystem endlich erreicht. Franceska sah wie das Schiff an einer gigantischen Station festmachte. Im Hintergrund war ein riesiger Stern zu erkennen. Es handelte sich dabei um einen gigantischen roten Riesen. Aber in welchem System sie genau ist, das wusste sie nicht. Plötzlich ging die Tür auf.


    "Willkommen in VY Canis Majoris. Der Anfang vom Ende der jetzigen Gesellschaft."


    "Der Anfang vom Ende? Was geht hier vor?"


    "Das werden sie noch früh genug erfahren. Kommen sie mit. Professor Karl von Hartenberg erwartet sie schon."


    "Professor Karl von Hartenberg. Noch nie von ihm gehört. Ist der ISA was durch das Netz geschlüpft? Wenigsten hat die Sache jetzt einen Namen bekommen. Dann werden wir mal sehen was uns erwartet." dachte sich Franceska und folgte dem Wachmann.


    Sie wurde rüber auf die Station gebracht. Die Station war gewaltig. Überall wurde noch gebaut.


    "So wen haben wir denn da? Franceska Bernard. Top Agentin der ISA. Mein Name ist Karl von Hartenberg, Professor Karl von Hartenberg. Darf ich sie herzlich auf meiner Station begrüßen? "


    "Ok, sie kennen mich anscheinend sehr gut."


    "Ja ich habe mich kundig gemacht über sie."


    "Dann haben sie alle diese Transportschiffe entführen lassen. Und das nur um diese Station zu bauen? Hier draußen? Wo sowieso keiner hinkommt?"


    "Ja genau. Aber sie verstehen das nicht ganz richtig. Dies ist keine einfache Station mit besonders großem Ausmaß. Dies hier meine Liebe, ist die größte Waffe die je gebaut wurde. Und jetzt raten sie mal wer sie erfunden hat."


    "Wenn sie schon so anfangen, dann bestimmt nicht sie."


    "Richtig. Es war ihr Freund Paul AkGuru."


    "Paul? Das glaub ich nicht, dass er etwas mit der Sache zu tun hat."


    "Mit der Sache hier hat er nichts zu tun, aber die Waffe hat er erfunden. Nun ja nicht ganz. Er hat eher eine Möglichkeit gefunden Sterne zur Treibstoffgewinnung direkt anzuzapfen. Als er aber feststellte, dass man seine Erfindung auch als Waffe missbrauchen kann, hat er seine Arbeit daran eingestellt. Ich habe diese Arbeit in den Unterlagen gefunden und perfektioniert."


    "Ich wusste es. Ich hätte es Paul auch gar nicht geglaubt, dass er dahintersteckt. Aber wie funktioniert diese Waffe? Wollen sie etwa den ganzen Sektor mit Treibstoff überfluten?"


    "Nicht so frech junge Frau. Diese Waffe gewinnt natürlich kein Treibstoff, sondern erzeugt gezielte Gammablitze mit enormer Reichweite. Dank meiner Perfektionierung sind es jetzt über 4000 Lichtjahre. Damit werde ich das Mächtegleichgewicht auf meine Seite ziehen und der alleinige Herrscher über der gesamten Bubble sein."


    "Und was wollen sie dann von mir?"


    "Mit ihnen als Geisel halte ich mir die ISA vom Hals."


    "Die ISA nimmt keine Rücksicht auf mich. Das ist nun mal Berufsrisiko. Damit gewinnen sie keinen Blumentopf."


    "Das mag sein, aber wenn schon nicht direkt bei der ISA, dann bei Paul ihrem Freund. Ja ich kenne ihn und er wird alles tun um die Chefin der ISA, was ja seine Mutter ist, dazu zu bewegen sie freizubekommen. Ich sagte doch ich habe mich schlau gemacht. So und nun gebt ihr ein Quartier und lasst sie nicht raus. Sie bleibt eingesperrt bis zur Fertigstellung der Station. Aber behandelt sie ordentlich. Sie ist schließlich unser Gast."


    "Sie Schwein. Auf ihre Gastfreundschaft kann ich gut verzichten. Sie sind doch größenwahnsinnig."


    "Danke für die Blumen."


    Franceska wurde ein Quartier zugewiesen. Die nächsten Wochen musste sie darin verbringen. Langsam verlor sie jegliches Gefühl von Zeit. Außer der Wache, die ihr das Essen brachte, bekam Franceska niemanden zu Gesicht. Doch endlich wurde sie abgeholt.


    "Kommen sie mit. Es ist soweit. Die Station ist fertig und Professor von Hartenberg will, dass sie bei dem ersten Test dabei sind."


    "Ich grüße sie Frau Bernard. Ich hoffe sie haben meine Gastfreundschaft genossen. Heut ist ein großer Tag. Der erste Test der Waffe steht heute an. Wenn er gut verläuft. Habe ich morgen für die Regierungen der Bubble ein schönes vorzeitiges Weihnachtsgeschenk."


    "Vorzeitiges Weihnachtsgeschenk? Welcher Tag ist heute?"


    "Heute haben wir den 04.12.3304."


    "Kommen sie. Hier haben wir den perfekten Ausblick. Herbert bitte starten sie den Test."


    "Jawohl Herr Professor. Test wird gestartet. Zapfer werden ausgefahren."


    Franceska sah wie die Station langsam zwanzig riesige Stutzen Richtung Sonne ausfuhr. Nachdem sie ausgefahren waren hörte sie wie die Maschinen anfingen zu dröhnen. Das Dröhnen wurde lauter und lauter. Langsam wurde Materie von Richtung Sonne in Richtung Station gesaugt. Nach einer Weile fragte Hartenberg bei seinem Mitarbeiter nach.


    "Herbert wie ist der Status?"


    "Die Station ist zu 80% aufgeladen. Noch etwa eine Minute bis zum Testbeginn."


    "Hervorra…"


    Plötzlich schrillten die Sirenen.


    "Herbert was ist los?"


    "Überlastung an Zapfer Eins."


    "Mist. Abschalten."


    "Ich versuche es Professor aber der Zapfer reagiert nicht. Jetzt auch Überlastung an Zapfer Fünf. Zapfer Zen, Drei, Acht. Professor es gerät außer Kontrolle. Wir müssen evakuieren."


    "Nein, niemand verlässt seinen Posten. Versuchen sie weiterhin eine Abschaltung. Zur Not sprengen sie die Zapfer ab."


    "Aber Sir. Dies ist doch Wahnsinn. Wenn wir jetzt die Zapfer absprengen wird es eine Kettenreaktion geben und die Station wird sofort zerstört. Jetzt können wir noch evakuieren. Die Station kann dann neu errichtet werden."


    "Nichts aber. Jeder bleibt so lange wie nötig. Und wie lange das ist, bestimme ich. Das ist ein Befehl."


    "Machen sie doch was sie wollen Professor. Ich werde bestimmt nicht hier sterben."


    "Sofort stehen bleiben Herbert."


    Doch Herbert überhörte es und verließ seinen Posten. Da zog Hartenberg eine Waffe und schoss. Herbert kam nicht weit. Er war sofort tot.


    "Alles muss man hier selber machen."


    Hartenberg ging zur Kontrolltafel. Das war Franceskas Chance. Sie nahm die Beine in die Hand und lief los.


    "Hiergeblieben!!!"


    Sie hörte Schüsse auf sich zukommen aber sie war schon um die Ecke gebogen. Ihre Flucht vor diesem Wahnsinnigen war vorerst geglückt. Auf einmal gingen mehrere Erschütterungen durch die Station. Hartenberg hatte damit begonnen die Zapfer abzusprengen. Durch ein Fenster der Station erblickte Franceska ein kleines Schiff im Hangar. Es war eine Adder. Dies war jetzt ihr Ziel. Doch es war noch ein weiter Weg bis dorthin. Mittlerweile hatte das Absprengen der Zapfer dazu geführt, dass es zu Folgeexplosionen kam. Genau wie Herbert es vorhergesagt hatte. Langsam wurde es wirklich sehr knapp für Franceska um das Schiff noch rechtzeitig zu erreichen. Aber sie hatte keine andere Wahl. Die Explosionen wurden immer stärker und stärker.


    "Ich musste es einfach schaffen. Nur noch zwei Gänge dann bin ich am Hangar und bei dem Schiff." dachte sie sich und rannte um ihr Leben.


    Endlich, kam sie an. Sie legte ihre Hand auf den Knopf zur Schleuse. In diesem Moment, gab es einen großen Knall im Hangar. Das Schiff war hinüber. Ein riesiger Stützpfeiler lag quer über der Adder und hatte sie in zwei Teile zerlegt. Franceska schaute sich um. Es gab keinen Ausweg mehr. Um sie herum explodierte die Station und sie kam nicht mehr herunter. Ihre letzten Gedanken galten Paul. Sie hoffte, dass es ihm gut geht und er irgendwann von ihrem Schicksal erfährt.


    Mit einem letztem lauten Knall explodierte die Station. Keiner der dort Anwesenden konnte entkommen. Nur eine einzige kleine Rettungskapsel trieb unversehrt in dem riesigen Trümmerfeld.

  • Zwei alte Bekanntschaften


    Logbuch PAXYA-VEGA / 30. Dezember 3304


    Endlich erreichte ich Foden Orbital in Toluku. Unterwegs hatte ich Hilda schon kontaktiert und ihm alles Wichtige übermittelt. Er kümmerte sich um den Rest. Zu meinem Erstaunen wurde ich bei der Ankunft nicht in Gewahrsam genommen. Man nahm mir nur die geborgene Rettungskapsel ab und brachte sie auf die Krankenstation. Danach konnte ich mich in meiner Suite frisch machen, etwas ausruhen und wurde dann zu meiner Mutter gebracht.


    "Hallo Paul."


    "Hallo Mutter."


    "So wie die Fakten aussehen müssen wir uns bei dir wohl entschuldigen. Hast du Franceska finden können?"


    "Nein leider nicht. Nur den Mann in der Rettungskapsel. Aber bestimmt weiß er mehr."


    "Mit Sicherheit wird er das können Paul. Komm, laut Krankenstation ist er jetzt ansprechbar. Wollen wir mal sehen was er zu sagen hat."


    "Darauf bin ich auch gespannt. Vor allem möchte ich gerne wissen, wie er dort hinkam, wo ich ihn gefunden hatte."


    Wir gingen zur Krankenstation. Unterwegs kam uns Hilda entgegen. Er war sehr in Eile.


    "Hilda, kommst du auch gleich zur Krankenstation?"


    "Nein, vorerst nicht. Gerade ist ein kleines Schiff angekommen. Es sieht sehr mitgenommen aus. Der Pilot hat wichtige

    Informationen für uns und braucht dringend Hilfe. Ich komme nach."


    Die Tür zur Krankenstation öffnete sich. Auf dem Krankenbett saß ein etwa 60 Jahre alter Mann.


    "Guten Tag Herr...?"


    "Professor Karl von Hartenberg." vervollständigte ich.


    Der Professor sah sich um.


    "Paul? Du hier?"


    "Ihr kennt euch?"


    "Ja. Er war mein Physikprofessor auf der Universität. Herr Professor, darf ich vorstellen, meine Mutter. Chefin der... der Stationssicherheit."


    Ich log ein wenig. Es durfte ja niemand ohne Grund was von der ISA erfahren.


    "Hoch erfreut Gnädigste. Wem habe ich eigentlich meine Rettung zu verdanken?"


    "Mir Herr Professor. Aber sagen sie wie kamen sie dort eigentlich hin und was wollten sie dort?"


    "Das ist eine lange Geschichte mein Junge."


    Hartenberg fing an zu erzählen. Er sagte, dass er von einem namenlosen Verbrechersyndikat entführt worden war. Dann wurde er gezwungen eine Waffe nach irgendwelchen Plänen zu bauen. Diese Waffe übertraf allem was er je gesehen hatte. Wenn er sich weigert sie zu bauen, so würde es seiner Familie schlecht ergehen. Also baute er wiederwillig diese riesige Waffe. Allerdings baute er eine Sollbruchstelle mit ein. Sobald die Waffe eingeschaltet wurde überhitzte sie und explodierte. Die Verbrecher seien alle Opfer der Explosion geworden. Er konnte mit Hilfe einer vorbereiteten Fluchtkapsel fliehen.


    "Ich bin froh, dass mir die Flucht gelungen ist und du mich gefunden hast Paul."


    Ich wollte ihn gerade fragen ob er denn eine junge Frau gesehen hatte, auf deren Franceskas Beschreibung passt, als sich hinter mir plötzlich die Tür der Krankenstation öffnete.


    "Sie mieses Dreckschwein, sie Massenmörder, glaubt den kein Wort. Er ist der Drahtzieher hinter allem."


    "Franceska? Du lebst ja?"


    Den Moment der Ablenkung nahm Hartenberg war und entriss einem Wachmann die Dienstwaffe und wollte schießen.


    "Tod, der ISA! Es lebe die dunkle Bruderschaft!" rief er noch dabei.


    Doch Franceska war schneller und ihr Schuss war tödlich.


    "Mist, jetzt erfahren wir nichts Genaueres mehr von ihm."


    "Kein Problem Paul, ich weiß schon alles."


    Franceska erzählte uns alles ab der Explosion der ANNABELL bis zur Explosion der Station und ihrer knappen Flucht von dort. Sie hatte im allerletztem Moment eine Fluchtkapsel entdecken und erreichen können, schoss sich mit ihr aus der Station und entkam so um Haaresbreite der Explosion und dem Tod. Sie hatte schon mit dem Leben abgeschlossen. Kurz nachdem die Station explodiert war, tauchte ein Schiff auf welches ihre Rettungskapsel aufnahm. Das Schiff war unbemannt. Franceska schloss daraus, dass das Schiff wohl eigentlich für Hartenberg bestimmt war. Sie überbrückte die Automatik und setzte Kurs nach Toluku. Alles andere war ihr in dem Moment egal.


    Mutter nahm den den Bericht von Franceska gewissenhaft auf. Aber sie grübelte auch über etwas nach. Sie ging zum Kommunikationsterminal und ließ sich verbinden.


    "Sie wünschen?"


    "Finden sie alles über eine gewisse dunkle Bruderschaft heraus."


    "Wird gemacht Chef."


    "Danke."


    "Hm. Dunkle Bruderschaft?" wer weiß was da wieder dahinter steckt?


    Nach diesem Schreck trafen wir uns alle in einem wunderschönen Restaurant. Mutter lud uns alle auf ISA - Kosten ein. Hilda brachte seine Familie mit und so feierten wir Weihnachten nach. Dabei erzählte mir Hilda etwas von einer neuen DISTANT WOLRDS Tour zum Beagle Point, die im neunen Jahr stattfinden soll. Ich war daran interessiert. Franceska tippte mich an und sagte_


    "Ich hab schon genau das richtige Schiff dafür."


    Aber jetzt wurde erstmal gefeiert.