JoBas 16. Geschichte: Eine Adaption

  • Es war später Abend.
    JoBaccaroo saß in seinem feudalen Büro, in der großzügigen Suite auf Janjetov Port, die er angemietet hatte. Er konnte es einfach nicht übers Herz bringen Junipers Büro für seine Zwecke zu verändern, auch wenn sie ihm dies bis zu ihrer Rückkehr gestattet hatte. Alles sollte für ihre Rückkehr bereit stehen. Einzig Mortimer, ihren Butler hatte er sich gerne von ihr geliehen in der Zeit ihrer Abwesenheit. Clark und Agatha hatte er zum Zwecke Agathas Trainings nach ihrem traumatischen Erlebnis zu den Freunden bei der Enklave geschickt. Dort waren sie sicher und konnten in Ruhe trainieren um wieder fit zu werden. Indes war JoBa geradezu erschlagen von den Berichten aller Art die aus dem Hoheitsgebiet der UGC und anderswo kamen. Niemals hätte er gedacht, dass so viel Arbeit dahinter steckte und wie viel davon Pandora übernommen hatte um Juniper ein wenig Handlungsfreiheit zu verschaffen. Bald aber, so hoffte er würde Clark wieder diese Rolle an seiner Seite spielen können. Sylph unterstützte ihn zwar so gut sie nur konnte, aber auch sie benötigte einmal eine Pause, weswegen sie für eine Woche ihre Brüder besuchte. “Sturmfreie Bude nennt man sowas wohl!” dachte JoBaccaroo sarkastisch, obwohl die Verbindung zwischen ihm und seiner Gefährtin ohnehin untrennbar war. Sogar jetzt, viele hundert Lichtjahre entfernt, spürte er noch ihre beruhigende Anwesenheit in seinen Gedanken. Das Büro Junipers hatte ihm so gut gefallen mit seiner aus dunklem, kirschrotem Holz gefertigten Möblage, die gut aus dem endenden Mittelalter der Erde her stammen hätte können, dass er sie kurzerhand kopiert hatte. Einzig mit der Änderung des Farbtons. Er bevorzugte dunkle Eiche. Sogar die Tür hatte er - nach Junipers Vorlage durch eine hölzerne, hohe, reich verzierte Tür ersetzen lassen. Diese öffnete sich gerade und ließ Mortimer, gefolgt von einem automatischen Servierwagen ein. Ein Ausdruck der Missbilligung stand auf dem Gesicht des Butlers geschrieben. “Sir? Wenn ich sie darauf aufmerksam machen darf: Sie haben schon wieder vergessen zum Abendessen zu erscheinen!” meinte er indigniert. “Oje! Entschuldigen sie, Mortimer. Die Arbeit frisst mich auf!” entschuldigte sich JoBaccaroo. “Bevor das geschieht sollten sie dasselbe mit ihrem Dinner machen, Sir!” riet Mortimer. “Ja, lassen sie den Wagen doch bitte einfach stehen. Ich muss nur noch den Bericht hier fertig lesen, dann mache ich eine Pause und esse was. Versprochen!” “Wie sie wünschen, Sir.” kam die Antwort des Butlers. “Gute Nacht, Sir!” “Gute Nacht, Alfred!” murmelte JoBa, bereits wieder im Bericht versunken. “Mortimer! Mein Name ist Mortimer.” der Butler hatte sich erbost umgedreht. JoBa fuhr aus dem Bericht hoch und blickte ihn verwirrt an. “Das weiss ich doch!” “Sie sagten gerade Alfred zu mir.” “Alfred….ich kenne doch gar keinen Alfred.”, murmelte JoBa.
    “Sie arbeiten zu viel, Sir. Gute Nacht! Und, wenn mir die Bemerkung gestattet ist: Aus einem Catman wird noch lange kein Batman!”, sprachs und war draussen. JoBaccaroo blickte ihm dumm hinterher, schüttelte dann den Kopf, brummelte etwas von “gibt keine Fledermausmänner!” und las weiter im Bericht.


    Einige Minuten darauf - so schien es JoBaccaroo zumindest - klopfte es schwach an der Türe. Jemand mit weniger empfindlichen Gehör hätte vermutlich gar nichts vernommen. “Herein!” murmelte JoBa. Nichts geschah. Hatte ihm sein Gehör einen Streich gespielt? Ein Knacken in der Täfelung, eine thermische Verspannung im Holz? JoBa hob den Kopf und spähte zur Tür. Sie öffnete sich nicht. Ein Blick auf die Uhr offenbarte ihm dass Mortimer schon längst im Bett sein müsste und er war ansonsten alleine in der großen Suite. Kopfschüttelnd wandte er sich wieder dem Bericht zu. Eine langweilige Aufstellung wirtschaftlicher Daten im Zusammenhang mit der Sicherheitssituation in Cernunnos. Da erscholl das leise Pochen wieder. “Herein, zum Teufel!” knurrte JoBa. Wiederum blieb die Tür geschlossen. Ein merkwürdiger, dumpfer Schmerz, ein Pochen im linken Ringfinger ließ ihn unwillig knurren und die Hand schütteln als ob er den Schmerz ebenso abschütteln könnte. Mit einem unguten Gefühl in der Magengegend las er weiter im Bericht. Abermals erscholl das Klopfen. Mit einem saftigen Fluch “Himmelherrgottsakrament!” - diesen hatte er von einem Kameraden aufgeschnappt - fuhr er in die Höhe. Er sah zur Uhr. Null Uhr dreißig. Schnellen Schrittes war er bei der Tür. Er lockerte die kleine, handliche Laserpistole im Schulterhalfter, zog sie heraus und stellte sie auf Stufe Betäubung, wonach er sie wieder ins Halfter steckte. Danach riss er die Tür auf. Eine jämmerliche Gestalt stand vor ihm im Halbdunkel. JoBaccaroo stand wie angewurzelt da, schließlich löste sich seine Starre. Ungläubig zuerst erkannte er seinen alten Freund und Mentor Francis (Frank) McMurdo. Aber wie sah er aus! Zerzaustes langes schmutziges Haar hing ihm in die Stirn, abgemagert bis zum Gerippe, die Augen so tief in den Höhlen das man sie kaum noch sehen konnte. Die Kleidung kaum mehr als schmutzige Fetzen. Er schwankte. “Meine Güte! Frank!” rief JoBa und fing den alten Mann auf als er strauchelte. Er stützte ihn und schleifte ihn so zur Sitzgruppe, wo er ihn möglichst behutsam hin setzte. “Mein Gott, wie siehst du denn aus? Du bist ja halb verhungert! Warte, ich wollte gerade essen. Das reicht für vier, wie ich Mortimer kenne!” JoBa hastete zum Servierwagen und zog ihn zur Sitzgruppe. Frank ließ nur den Kopf hängen und saß schweigend da. JoBaccaroo füllte einen Teller voll mit allem was da an guten Sachen war. Braten, Klöße, Salat, Baguette. Einen Glaskrug voll Starkbier stellte er daneben. “Iss jetzt, Frank. Reden können wir später.” Frank McMurdo hob den Kopf, sah ihn dankbar an und begann das Essen in sich hinein zu schaufeln. Tränen des Mitleids begannen JoBaccaroo in die Augen zu steigen, als er seinen alten Freund zusah. Dabei versuchte er möglichst belanglos von diesem und jenem zu plaudern um seine Besorgtheit zu überspielen. “Jetzt ruhst du dich hier bei mir erst mal richtig aus und wenn’s dir dann besser geht, schauen weiter.” JoBa nahm die Kaffeetasse und merkte dass seine rechte Hand zitterte. Der Schmerz im linken Ringfinger war plötzlich auch wieder da. Er bewegte die Finger um ihn zu vertreiben. So ging es eine Zeit lang dahin, bis auch der letzte Krümel aufgegessen war. Frank McMurdo saß da, vor JoBacaroo und sein Kopf begann immer wieder nach vorn auf die Brust zu sinken. “Du solltest dich jetzt ausruhen, Frank.” JoBa half ihm auf und geleitete ihn zur Nische wo das Sofa stand. Er zog den Vorhang weg und half Frank sich hinzulegen. Er deckte ihn mit einer Deck, die er unter dem Sofa aus einem dafür vorgesehenen Behälter nahm zu. “Schlaf gut, alter Freund. Ich habe noch Papierkram zu erledigen. Morgen sehen wir dann weiter.” JoBaccaroo zog den Vorhang vor die Nische und setzte sich wieder an seine Arbeit, wobei ihm aber ständig Frank und sein Zustand im Kopf herum gingen. Aus der Nische waren regelmäßige, tiefe Atemgeräusche des Schlafenden zu hören. Er wusste nicht, was vorgefallen war, aber ab jetzt würde er sich um Frank kümmern. So schlichen die Stunden träge dahin, bis JoBa es tatsächlich geschafft hatte seinen Rückstand an Arbeit aufzuholen. Er gähnte herzhaft, legte die Füße auf den Schreibtisch und schlief ebenfalls ein. Nur das immer wieder auftretende eiskalte, schmerzhafte Pochen im linken Ringfinger störte seinen Schlaf einige Male.
    JoBaccaroo erwachte, geweckt vom Piepen des Visiofons. “sie haben also wieder einmal im Büro geschlafen, Sir!” ertönte die Stimme von Mortimer missbilligend, als JoBa den Knopf zur Rufannahme betätigt hatte. “Auch ihnen einen guten Morgen, Mortimer.” bemerkte JoBaccaroo bissig. “Ich hatte eine beschäftigte Nacht, ja!”
    “Dann ist es ihnen sicher recht, wenn ich jetzt das Frühstück bereite, ja?” kam es ebenso retour. “Ja, und bringen sie es ins Büro, danke!” knurrend schlug JoBa auf den Knopf. Danach fuhr er jedoch zusammen, weil er befürchtete den Schlafenden in seiner Ruhe gestört zu haben. Die Atemgeräusche fuhren jedoch unbeeindruckt fort und JoBa atmete erleichtert auf. Der Arme Kerl musste ja hundemüde sein. Er schlief ja wie ein Toter. eine halbe Stunde später öffnete sich die Tür und Mortimer kam mit einem ihm folgenden Servierwagen herein. “Gute Morgen, Sir!” grüßte er frostig. Dann wurde er des Geräuschs hinter dem Vorhang gewahr. “Sie haben keinen Gast erwähnt, Sir, soll ich noch ein Gedeck holen?” “Ja, bitte. Wir haben gestern noch einen späten Gast bekommen.” antwortete JoBa, der erleichtert das Tablet abschaltete bevor wieder neue Arbeit eintreffen konnte. Mortimer, der ein zusätzliches Gedeck geholt hatte kam wieder und stellte es zu dem anderen. “Guten Appetit den Herrschaften!” Dann ging er, den Servierwagen vom Vortag im Schlepptau wieder. “Danke, Mortimer und entschuldigen sie bitte meine Gereiztheit von vorhin.” rief ihm JoBaccaroo nach. “Kein Problem, Sir. Wenn sie etwas brauchen, rufen sie mich einfach.” Eine sehr knappe Verbeugung und weg war er. JoBaccaroo erhob sich, zog den Vorhang beiseite und erstarrte. Die Couch war leer, die Decke lose darüber gebreitet, in dem Polster war sogar noch die Kuhle zu sehen, den der Kopf hinterlassen hatte. Das Atemgeräusch hielt dennoch an. Er trat in die Nische, die nicht viel breiter als die Couch war. Kein Frank hinter oder unter der Couch.
    JoBaccaroo schloss den Vorhang wieder hinter sich und blieb zitternd stehen. Die Gedanken rasten in seinem Kopf. Was war hier los? Wurde er verrückt? Gedankenverloren rieb er seinen schmerzenden Finger. Als er wieder einen klaren Gedanken fassen konnte, rief er nach Mortimer. Vorsorglich hatte er den Vorhang wieder zu gezogen. Mortimer kam und fragte nach seinem Wünschen. „Mortimer, hören sie hier irgendein Geräusch?“, fragte JoBa. „Ja, Sir.“ antwortete er. „Wie würden sie dies Geräusch einordnen?“, fragte JoBa weiter. „Das Geräusch eines schlafenden Menschen, würde ich sagen.“, kam die Antwort von ihm. Erleichtert atmete Jo'Baccaroo auf. „Ein Glück, ich dachte schon, ich wäre verrückt geworden!“, er atmete auf. „Wieso, wenn ich fragen darf?“, erkundigte sich der Butler. „Öffnen sie den Vorhang, dann sehen sie's, oder vielmehr sehen sie's nicht!“, Jo'Baccaroo war nahe der Hysterie. Mortimer tat wie ihm geheissen. JoBa hörte ihn erschreckt schnaufen, dann wie er die Nische ebenfalls absuchte. „Na? Wissen sie jetzt, was ich meine?“ fragte JoBa über die Schulter hinweg. „Soll das eine Art Trick sein, um mich zu verblüffen?“, frag Mortimer gepresst. „Ich wollte es wäre so!“, stöhnte Jo'Baccaroo. Er setzt sich auf einen bequemen Ledersessel uns erzählte Mortimer, was sich letzte Nacht zugetragen hatte.
    Nachdem der Katzenmann seine Erzählung beendet hatte, während derer sich Mortimer ihm gegenüber niedergelassen hatte trat Schweigen ein. Immer noch war das Atmen deutlich aus der Nische zu hören. JoBas schmerzender Finger meldete sich wieder und er rieb ihn gedankenvoll. „Nun, wenn ich sie wäre, würde ich wohl zuerst den Status ihres Freundes prüfen. Ich meine wie es ihm geht und all das.“, meinte Mortimer in die unbehagliche, nur von dem rätselhaften Atemgeräusch durchwobene Stille hinein.
    „Ja, das scheint mir auch eine gute Idee zu sein.“, antwortete JoBa. Mortimer ging, um wieder seiner Tätigkeit nachzugehen. Jo'Baccaroo setzte sich an den Schreibtisch. Er schaltete das Display des Stationsrechners an. Rasch wählte er sich durch einige Datenbanken, bis er schließlich den Link zur föderalen Datenerfassunsgsstelle gefunden hatte. Er nahm seinen alten ID-Stick zur Hand und führte ihn in die dafür vorgesehene Aussparung ein. Seine Kennung wurde übertragen, die ihn als zugriffsberechtigten Sicherheitsbeamten auswies. Schnell suchte er nach McMurdo, Francis. Nach etlichen Sekunden warf ihm das System eine kurze Liste an Namen aus. Lediglich ein einziger passte zum Geburtsdatum, das JoBa auswendig kannte. Derzeitiger Aufenthaltsort, las er St.Andrews Pflegeheim, Washington DC. Mit geübten Fingern tippte er im Anderen Fenster das gesuchte Heim ein und erhielt sofort einen Visiofon-Link dorthin. Er schob den Link nach links zum Visiofon hin. Dies leuchtete auf. Verbindung wird hergestellt verkündete das Display. Etliche Sekunden später wurde der Schirm hell. JoBa schaltete schnell die Mimikry Funktion ein, die ihn als einen netten Herrn in den Dreissigern am Schirm des angewählten Institutes erscheinen liess. „St. Andrews, Alten- und Pflegeheim, wie kann ich ihnen helfen?“, eine Nonne mit freundlichem, runden Gesicht blickte ihn an. „Guten Tag, mein Name ist JoBaccaroo.“, stellte er sich vor. „Ich suche nach einem Freund von mir, der bei ihnen gemeldet zu sein scheint. Sein Name ist Francis McMurdo.“ Das Gesicht der Nonne nahm einen traurigen Ausdruck an. „Was für ein Pech aber auch, sind sie ein Angehöriger?“, fragte sie.
    “Könnte man so sagen, er war mein Mentor und Freund, fast eine Art Adoptivvater für mich.” antwortete er. “Nun, in diesem Falle tut es mir sehr leid, ihnen mitteilen zu müssen das Mister McMurdo gestern Nacht verstorben ist. Mein Beileid.” antwortete die Nonne mitfühlend. “Wie? Wie ist es passiert?”, krächzte JoBaccaroo. “Sie müssen wissen, Mister MCMurdo war hochgradig dement, deshalb war er auch bei uns in Pflege. Immer wieder versuchte er auszureißen, weswegen wir ihn in einem Zimmer festsetzen mussten. Vor fünf Tagen geschah es, dass eine Kollegin, die ihm gerade bei der Körperpflege geholfen hatte unachtsam war und er entkam aus dem Zimmer. Die Haustüre stand offen und so dachten alle er sei hinausgelaufen. Wir starteten sofort eine Suchaktion, wie sie sich sicher vorstellen können. Jedoch ohne Erfolg. Gestern früh fanden wir ihn, dem Tode nahe in einer dunklen Nische unserer labyrinthartige Kellergewölbe. Trotz unserer Bemühungen ihm zu helfen, verstarb er letzte Nacht kurz nach Mitternacht.” “Vielen Dank!” sagte er geschockt zur Schwester. Armer Frank, welch grausames Schicksal. Schlechtes Gewissen begann sich in JoBaccaroo zu regen. Warum hatte er sich so lange nicht um den Freund gekümmert? Immer war die Arbeit wichtiger gewesen, dieser verdammte Arbeit! Wütend feuerte er das nächstliegende Datenpad gegen die Wand, wobei er zufällig den Rufknopf an der Konsole traf. Mortimer kam einige Augenblicke später herein. “Sie haben geläutet, Sir?” fragte er. “Wie? Was? Oh, entschuldigen sie, Mortimer, das war unabsichtlich.” JoBa barg wieder das Gesicht in den Händen. “Ah ja ich sehe schon.”, meinte Mortimer, das halb zerbrochene Datenpad am Boden liegend betrachtend. “Kann ich irgendwie helfen, Sir?”, fragte er wiederum. “Mortimer, ich glaube wir sind des Rätsels Lösung auf der Spur.”, sagte JoBaccaroo, auf seinen Siegelring am Ringfinger der linken Hand schauend. Mortimer kam näher und setzte sich vor JoBa auf einen der Sessel. Der Katzenmann sah ihn lange Zeit an und begann dann zu reden. “Der Freund, den ich gestern zu Besuch bekam, und dessen Atmen wir hörten….er verstarb gestern um Mitternacht in einem Pflegeheim auf der Erde. Ja, jetzt macht das Ganze wieder Sinn. Frank Mc Murdo war mein Mentor und Freund. Er brachte mich in diese Welt, lehrte mich ihre Regeln, ließ mich den Pilotenschein machen. Zur Feier meiner bestandenen Prüfung und zum Zeichen unserer ewigen Freundschaft ließ er uns diese Ringe anfertigen.” Er zeigte Mortimer den Siegelring. Zwei Monde und eine flammende Sonne im Hintergrund waren das Motiv. “Viel später, als wir wieder einmal auf Landurlaub waren und betrunken wie noch nie zuvor muss ich gestehen, saßen wir auf einem Tourismusplaneten nächtens im Gras und schauten zur Milchstraße hoch. Frank sah seinen Ring an und aus einer Idee heraus hielt er seinen Ring an meinen und sagte: JoBa, wir wollen uns etwas versprechen: Derjenige von uns, der als erstes die Tore zum Jenseits durchschreiten muss wird den anderen der zurückbleibt besuchen zum Abschied! Ich stimmte natürlich begeistert zu und wir lachten herzlich darüber.” Stille trat ein und JoBa sowie Mortimer bemerkten jetzt das die Atemgeräusche verstummt waren. Beide blickten zur Nische hinüber. “Das erklärt alles. Der gute, alte Frank hat sein Versprechen gehalten. Er ist zu Besuch gekommen. Deswegen hatte ich auch diese Schmerzen im Finger, der Ring war das.”, fuhr JoBa fort. “Das passt auch zu meinen Beobachtungen.” meinte Mortimer dazu. “Ich wollte ihnen gegenüber nichts davon erwähnen, sie waren schon verstört genug, aber als ich den Servierwagen von gestern öffnete…...sämtliche Speisen waren unangetastet, der Teller sauber, das Bierglas voll.” JoBaccaroo nickte daraufhin nur und machte ein bekümmertes Gesicht. “Sind sie in Ordnung, Sir? Ich muss nämlich wieder gehen den Lunch vorzubereiten.”, fragte Mortimer. “Ja, ja gehen sie ruhig. Ich muss ein wenig nachdenken.
    Nachdem Mortimer gegangen war, kniete sich JoBaccaroo vor dem Vorhang der nische auf den Teppich und sprach ein kurzes Gebet für Frank McMurdo zu Arkay.
    Er schloss mit den Worten: “Schenke ihm in deinem Reich die ewige Ruhe und lasse ihn teilhaben an der heiteren Gleichmut von Aetherius!” Er erhob sich wieder, ging hinüber zum Aussichtsfenster hinter dem Schreibtisch. Es war natürlich nur ein Imitat, ein Monitor als Fenster getarnt, die Suite lag ja nahe der Stationsmitte. Trotzdem blickte er auf den Teil des Alls den er gesehen hätte, wäre die Suite an der Außenwand gelegen. Nachdenklich betrachtete er die Spiegelung seiner Selbst, die nachdenklich den Siegelring am Ringfinger der linken Hand drehte. Mit einem Mal war es ihm als sähe er nicht sich selbst, sondern Frank, der ihm zulächelte. “Leb wohl, alter Freund!”, sagte er traurig und ein wenig schuldbewusst.
    Die Gestalt hinter dem Vorhang lugte durch den Spalt zu JoBaccaroo hinüber. Die weiße, gezackte Strähne an der Stirn blitzte für einen Moment im Lichtschein der eindrang auf. Ein seltsames Lächeln überspielte das harte, eckige, doch edle Gesicht das von einer Hakennase gekrönt wurde. Dann drehte die Gestalt sich um und schritt zurück durch das Tor zur Schattenwelt, das sie geöffnet hatte. Deren gibt es viele, doch nur wenige sind ins Diesseits passierbar.



    Epilog
    Ich danke dem oder der geneigten LeserIn für ihre Aufmerksamkeit. Diese Geschichte adaptierte ich aus der Erzählung “Besuch von drüben” von Algernon Blackwood ins Elite Dangerous Universum. Algernon Blackwood ist ein Schriftsteller der es immer wieder vermochte mir einen wohligen Schauer über den Rücken rinnen zu lassen bei seinen Geschichten wie “Der Horcher” oder “Griff nach der Seele” um nur ein Paar zu nennen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Algernon_Blackwood
    Es würde mich freuen, wenn der eine oder andere über meine kleine Adaption einer seiner weniger bekannten Geschichten Zugang zu seinem Werk finden würde.
    Habt einen schönen Tag, oder aber wenn ihr dies vorm schlafengehen gelesen habt, eine gute Nacht, ohne unerwarteten Besucher von “Drüben”.


    JoBaccaroo/ Markus (Max) Reisner im Dezember 3303 / 2017