Käpt'n Atominos unglaubliche Abenteuer

  • Käpt'n Atominos unglaubliche Abenteuer bei den sieben Schwestern


    (Eine wahre Geschichte)


    Gestern hatte ich einen Termin bei Juri dem Minenguru mit der etwas exzentrisch wirkenden Kopfbedeckung. Die Schockminen hat er mir ganz schnell ausgeredet, kein Mensch benutzt die, wenn er auch die richtigen Kawumm-Dinger haben kann, und so hatte ich nach kurzer Zeit zwei niednagelneue G4-Schnellfeuer-Minenwerfer mit Triebwerk-Lahmlege-Effekt in den Gondeln meiner "Cassiopeia". Die wollte ich nun natürlich auch mal ausprobieren......


    Nun soll es ja an den Hotspots von gemeinschaftlich zu bewältigenden Aufgaben besonders hoch hergehen, nicht wahr? Also lud ich ein paar Eier eines komischen Vogels in den Laderaum, was zunächst mal etwas umständlich war, weil jener Vogel auf einer Welt lebt, die 450 000 ls vom Eintrittspunkt entfernt ist. Nun ja, einmal geht das, ich musste sowieso noch den Geschirrspüler ausräumen, aber ich würde ganz sicher nicht noch mehr von diesen Eiern holen....


    Am Zielpunkt dann, also bei den Leuten, die so verrückt nach diesen Eiern waren, dass sie sich nicht anders zu helfen wussten, als die gesamte Piloten-Vereinigung dazu aufzurufen, welche zu besorgen, war zu meiner großen Enttäuschung tote Hose.... keine Eierdiebe im gesamten System. "Hallo da draußen, niemand hier, der mir meine komischen Eier klauen will?" ..... setzte ich noch resignierend einen Funkspruch ab, als mir eine Idee kam: Warum fliege ich die Eier nicht nach Maia und finde heraus, was sie da unten dafür zu zahlen bereit wären, komische Vögel leben in den Plejaden nämlich keine, so viel ist mal sicher.......


    Durch Querverweise, die ich bei meiner Recherche in den einschlägigen Ornithologen-Foren fand, wurde mir klar, dass es in komfortabler Entfernung noch mehr skurriles Zeugs zu finden gab, wenn ich mich auf die lange Reise nach Maia aufmache, kann ich meinen 128-Tonnen-Frachtraum auch gleich noch voll machen, damit es sich auch halbwegs lohnt. Lave-Brandy... na klar, wenn die da unten nicht saufen, dann wäre ich auch bereit damit aufzuhören. Dann natürlich Ledereier von Ridley Scott, sie lieben in den Pleyaden schleimiges Weltraumzeug, die kann ich also garantiert jemanden andrehen. Was gibt's noch in Reichweite....? Seltsame Ohrenkriecher? Es übersteigt wirklich mein Phantasievermögen, wozu jemand solche Tierchen brauchen könnte, aber zur Not kann ich es ja machen, wie ich es in einem benachbarten kommunistischen System gesehen habe: Wer zum Beispiel ein schönes Ei kaufen möchte, muss auch einen überteuerten Ohrenkriecher dazu nehmen........


    Zum Abschluss meiner Einkaufstour ließ ich mich im Orbit von Mitterand Hollow, meinem Lieblingsmond, antriebslos treiben und ließ mir mein Vorhaben zusammen mit einer Flasche Indi-Bourbon noch mal durch den Kopf gehen. Heute war mir nichts zu teuer, morgen geht ja die Reise los. Die Lichter New Africa's, die Lichter der Zivilisation, die ich vielleicht nie wieder sehen würde, verschwammen immer mehr, und begannen einen psychedelischen Reigen zu tanzen .....ich ..?.... warum ?..... wahrscheinlich....?


    Ich erwachte vollkommen unverkatert, das ist warum ich diesen Tropfen so schätze. Ich hatte geschlafen wie ein urundugisches Walross, jedoch spürte ich etwas im Unterleib, das sich auf irritierende Weise von den gewöhnlichen morgendlichen Männerbeschwerden unterschied...... ihr wollt nicht wirklich wissen, ob es vielleicht ein Ohrenkriecher mit einer .... nun ja.... abnormen Veranlagung war, oder? Bei zehn Tonnen Ohrenkriechern, die ich geladen hatte, scheint so etwas aber nunmal vorzukommen.....


    Ich startete den FSA....Ahoi ihr sieben Schwestern.... zwanzig Sprünge bis Maia, wo Eier zu Gold werden. Bis auf ein paar minimale Kursänderungen, weil mir immer wieder braune Zwerge vors Cockpit sprangen, verlief die Reise ereignislos.... eine handvoll Wasserwelten sind mir unterwegs noch ins Netz gegangen......


    Einen Sprung vor Maia schaltete ich meine Waffen und alle Verteidigungssystem online. Ich hatte meine Clipper, das Raumschiff Cassiopeia, in den letzten Wochen zum perfekten Blockadebrecher umgebaut. Ihr wollt Eier? Dann bekommt ihr Eier. Mein Wort darauf..... Jump und los. Mögen die Spiele beginnen!


    Ich scrollte sofort durch alle Kontakte. Normalerweise achte ich nur auf FDLs und FAS', denn darin sitzt immer ein Eierdieb, und so habe ich die Cutter, die sich gerade darin übte mein FSA-Feld zu unterbrechen, übersehen..... also Nullschub. Die Cutter begann mich sofort von Achtern unter Feuer zu nehmen, meine Schilde knusperten und brutzelten. "Bist du irre? Ich habe rohe Eier geladen, du Sohn einer räudigen takerianischen Bergziege!" Ein Fehler, den Killer immer machen ist, sie versuchen so nah als möglich an meinem Heck zu bleiben, und in den ersten Sekunden harte Treffer, möglichst mit einer Plasma-Kanone zu landen. Eigentlich ist das aber gar kein Fehler, sondern alles was sie tun können, denn meine Cassiopeia macht trotz Schnapsflaschen, Eiern und Ohrenkriechern immer noch 570 Sachen in der Sekunde. Jedenfalls ist das dann der Moment, in dem ich eine schöne Rolle fliege und einen zerstörerischen Strudel aus Minen hinter mir herziehe. Tack, Tack, Tack.... Peng! Peng! Peng! Das "Opfer" treibt dann manövrierunfähig durch das, was es von meinem Minenteppich noch übrig gelassen hat. Juri hatte nicht zu viel versprochen, mit meinen Minen, keine Ahnung, es wahren höchstens zehn, ist es mir gelungen immerhin einen Schildring eines so mächtigen Schiffes wie der Cutter wegzusprengen, wie ich leicht amüsiert feststellte..... und ich hatte ja noch zwei Slots frei. Was sollte mich eigentlich daran hindern, einen U-Turn zu fliegen und ihm noch ein paar tödlich gepimpte Torpedos in den Rumpf zu jagen? Ich verscheuchte meine Gewaltfantasien, nein, wir würden uns unsere Menschlichkeit auch an diesem unwirtlichen Ort bewahren...


    Ich machte einen schnellen Systemcheck.....null Schaden. Ich wollte gerade routiniert zum Atomino-Manöver ansetzen, als ein klägliches Smogwölkchen auf dem Schirm aufleuchtete. Dies war doch tatsächlich der erste Killer, der es geschafft hatte vor mir wegzuspringen..... ganz bestimmt kein Profi. Doch die Stunde der Wahrheit würde noch schlagen, so viel war mal sicher.......


    Ende Teil Eins.

    "Oh my God it works!"


    J.Robert Oppenheimer

  • Danke für das Feedback.... nun, dann tippe ich mal eben weiter.
    Dies kann übrigens als ein Plädoyer für das Open gelesen werden. Die üblichen Ausschmückungen sind lediglich der Lesbarkeit geschuldet.


    amdu:
    Da fällt mir auf, große Kochtöpfe wären vermutlich auch ein Kassenschlager geworden.

    "Oh my God it works!"


    J.Robert Oppenheimer

  • Käpt'n Atominos unglaubliche Abenteuer bei den sieben Schwestern


    (Teil Zwei der Geschichte)


    Auf Wunsch der Überlebenden blieben deren Namen unerwäht. Aus Respekt vor den Toten wurde der Rest der Geschichte genau so erzählt, wie sie sich zugetragen hat.


    Meine Feuertaufe hatte ich nun hinter mir, bis auf ein paar Eier im Heck, die inzwischen hartgekocht waren, lief es ja ziemlich glimpflich für mich ab. Ich sprang wieder in den Hyperraum und nahm Kurs auf Obsidian Orbital. Eine Cutter war nicht auf dem Schirm zu sehen, nur eine ASP und eine... nein .... ja doch.... Sidewinder. Es scheint Leute zu geben, denen ist ihr Leben wohl keinen Pfifferling wert. "Fly save, kleiner Freund."


    Ich droppte wie üblich ein paar Kilometer vor der Station in den Normalraum, drosselte brav die Geschwindigkeit, piepste die Empfangsdame an, die einen für meine Ohren sehr erotischen Akzent hatte. Ein schöner Ausklang einer langen Reise. Ein Schiff kam mir entgegen.... ein sehr großes. Ich korrigierte leicht den Anflugvektor und flunkerte lustig mit den Scheinwerfern. "Ship ahoi!.... Na?" Was mir nicht sofort auffiel, war dass diese Korvette als kleines Dreieck auf dem Schirm dargestellt wurde. Sie jagte mir eine volle Breitseite in den Bug. Ich Narr war genau in ein offenes Messer gelaufen! Ich ging instinktiv auf Vollschub und brechte wie von der Tarantel gestochen durch den Ring von Obsidian..... was als nächstes? .....was als nächstes? Schildzelle zünden! Zwar waren die Schilde noch bei über 50%, jedoch hatte meine Schiffshülle 15% an Integrität verloren. Mit was für einer Scheiße hat er da eigentlich auf mich geschossen? Ich gab meinem Nachbrenner weiterhin ordentlich die Sporne, doch meine Heckschilde knisterten, die Eier brüllten und brodelten.... wie konnte das sein? Die Korvette hatte nicht das Zeug dazu an mir dran zu bleiben, und konnte mit wachsender Entfernung allenfalls noch ein paar Zufallstreffer landen. Ein zweites rotes Dreieck war auf dem Radar erschienen. Was waren das nur für Leute? Ich bin doch nichts als ein armer Eiermann. Als ich den zweiten Kontakt aufschaltete, stellt sich heraus, dass es einer dieser kleinen Jäger war, die einige dieser verlogenen Rüstungskonzerne erst unlängst auf den Markt geworfen hatten. Eine ernsthafte Bedrohung war er ja nun nicht für meinen Clipper, ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen und kam nicht umhin, dies ein bisschen putzig zu finden. Nur was sollte ich tun? Ich konnte dem Jäger, der stur an meinem Heck klebte mit meinen Minen nichts anhaben, außerdem folgte ihm sein Mutterschiff sicher auf den Schritt. Da kam mir eine ganz simple Idee, der Jäger mag klein und quirlig sein, aber er hat keinen FSD, die Station lag inzwischen gut 60km auf Achtern ... gedacht und Peng! Wenige Sekunden später lagen die Tore von Obsidian wieder vor mir, offen, sperrangelweit.....


    Meine Ankunft im System muss sich auf der Station schon herum gesprochen haben, denn es hatten sich um den Hangar herum lange Menschenschlangen gebildet. Seht ihr. Cholesterin und Alkohol gehen immer.... Doch zu meiner Überraschung lief der Verkauf der Eier und auch des exotischen Fusels zunächst sehr zäh an, während mir die Ohrenkriecher regelrecht aus den Händen gerissen wurden, und zwar von weiblicher wie männlicher Kundschaft gleichermaßen......


    Der Verkauf meiner Waren ging dann recht zügig von statten. Die letzten zehn Ohrenkriecher konnte ich sogar an Höchstbietenden versteigern. Zusammen mit den Scanndaten, sind an die 3,5 Millionen rumgekommen, ihr seht also, ganz ohne Idealismus geht es nicht auf dieser Route. Doch nun musste ich mich erstmal um meine arg lädierte Cassiopeia kümmern. Ich wand mich an das zuständige Personal..... "Wie auf Obsidian können keine Reparaturen durchgeführt werden? Wozu braucht ihr hier draußen so ein riesengroßes Scheißding, wenn man hier kein Schiff instandsetzen kann?" Theoretisch sei dies schon möglich, teilte mir eine Mitarbeiterin in einem sehr professionellem Tonfall mit, jedoch habe sich der zuständige Ingenieur kurz nach meiner Ankunft, schwerer Unterleibsbeschwerden wegen krankgemeldet. Ich will es nicht beschwören, aber ich glaubte zu sehen, wie dabei ein süffisantes Lächeln ihre Augen umspielte. So langsam dämmerte es mir.... "Ohrenkriecher, hah?" Jedenfalls, warmes Essen gäbe es auch keins, ich könne aber tanken, wenn ich selbst Hand anlege. Drohnen? Was ist das?


    Ich suchte eiligst meine Sachen zusammen, keine Nacht wollte ich länger in den Plejarden bleiben, wo die einen..... nun ja, das ist ein Thema, bei dem sich ein Gentleman lieber zurückzieht.... und die anderen so aggressiv sind, dass es auch schon pathologisch ist.


    Ich wollte gerade die Triebwerke starten, als eine Nachricht meines alten Freundes Palin auf dem Schirm aufblinkte......

    "Oh my God it works!"


    J.Robert Oppenheimer

    Edited once, last by Atomino ().

  • Nochmal die Essenz: Ein Killerschiff belagert eine Station? Gebt der Meute was sie braucht, spielt ein bisschen Zielscheibe und lockt es von der Station weg und springt dann zurück, man hat dann eine bessere Ausgangsposition. Am besten schon vor dem Sprung im Normalraum wenden, dass vergrößert die Erfolgschance. Natürlich ist das ein bisschen eine Ermessensfrage, ein Dickschiff lässt sich einfacher necken, als eine FDL. Was man im Open eben nicht machen kann, ist es stur seinen Grind durchzuziehen. Wenn eine Situation zu gefährlich erscheint, verdufte ich zunächst mal ganz aus der Gegend....

    "Oh my God it works!"


    J.Robert Oppenheimer

  • Käpt'n Atominos unglaubliche Abenteuer bei den sieben Schwestern


    (Der Tragödie dritter Teil und das retardierende Moment)



    Palins Auftrag beinhaltete, dass ich drei Tonnen Thargodien-Harz beschaffen sollte, dafür winkten gut 19 Millionen Credits. Seit der Ohrenkriechernummer ist mir gewahr, dass die Bewohner dieser Galaxie gern stark beschönigende Termini verwendeten, und so fragte ich nicht weiter nach, was genau denn mit "Harz" gemeint sein könnte. Wo exakt man dieses Harzes habhaft werden könne, ging aus den Auftragdetails nicht hervor, also begab ich mich in die nächste Bar.... Einige der Weltraumratten blickten glückselig in ein Glas Lave Brandy, andere rutschten dabei unruhig, aber noch glückseliger auf ihren Barhockern herum. Jemandem wie mir, der so viel Liebe und Glückseligkeit über Obsidian gebracht hatte, gaben Sie recht bereitwillig Auskunft: "Harz" ließe sich recht leicht an einem Alien-Wrack 20 Lichtjahre von hier beschaffen, allerdings ist es grün, es stinkt, und es zerfrisst Metall und Fleisch. Als einer dieser Haudegen fragte, ob ich nicht doch noch einen "Ohrenkriecher" übrig hätte, verließ ich schleunigst, eine Entschuldigung murmelnd, das Areal....


    Ich brauchte also ein Mondauto, oder lassen wir es besser zwei sein, und dann noch zwei von Palins gegen jedweden grünen Harz, Schleim oder was auch immer resistente Frachteinheiten. Das wiederum bedeutete, ich musste einen Teil meiner Ausrüstung, die ich inmitten dieser Anarchie als überlebensnotwendig erachtete, aufgeben. Das 7er Carco Rack konnte ich vergessen, das war klar. Aber konnte ich die Entfernung nach HIP 17125 zurücklegen, ohne dass ich zwischentanken musste? Ich wollte es nicht darauf ankommen lassen. Lieber ein schneller Tod durch einen feindlichen Laser, als mich den Rest meiner Tage, in denen ich hilflos durchs All treiben würde, mit den entlaufenen Ohrenkriechern zu verlustieren, die noch immer durch die Gänge der Cassiopeia raschelten. Ohne die beiden Scanner konnte ich das Wrack vermutlich gar nicht finden, blieben also noch die Schildzellenbank oder die Drohnensteuerung, die "zu Hause" bleiben musste, aber auf Obsidian war ohnehin niemand mehr bei Besinnung, also musste ich die Umbauten in Darnielle's Progress vornehmen lassen, war ja nur ein Katzensprung....


    Inzwischen hatte ich mich an den Anblick eines waffenstarrendes Raumschiffes, welches bei meiner Ankunft auf mich zuschwenkt, gewöhnt. Wer vielleicht eine Abhandlung über dissoziale Störungen schreiben möchte, für den wäre Maia ein wahres Eldorado, ich hingegen, der ich nur auf einen schnellen Taler aus war, ist so etwas aber einfach nur lästig.....


    Die Landung konnte ich wohl vergessen, also erstmal Vollschub.....ich tauchte unter jener garstigen Anaconda durch und gab mich betont hasenfüßig. Ich gab ordentlich Fersengeld, und als die Ana vom Schirm war, flog ich eine schöne Kurve. Doch dann sah ich den Angreifer auf Gegenkurs, er hatte mich weiter verfolgt, na klar, mit den Sensoren einer Anaconda konnte er auf zehn Kilometer die Haare auf den Beinen einer laverianischen [durchstreichen]Prostituierten[/durchstreichen] Libelle erkennen. Nun dann wollen wir doch mal sehen, wer zuerst wieder am Hafen ist. Mein Clipper neigt dazu, bei High-G-Manövern über Planetenoberflächen sehr stark zu überhitzen, was einhergeht mit wildem Gepiepse und ständigen Ermahnungen von Natascha der Schiffscomputerin. Das half natürlich nicht wirklich dabei cool zu bleiben.... Landerlaubnis... check.... sehr schön eigeschwenkt....check ....landen.... ...... Warum zur Hölle geht das nicht? Landegestell ausfahren.... Error .... Error.... Also noch mal Vertikalschub.... just in jenem Moment krachte diese verdammte Anaconda mit einem hässlichen metallischen Geächze unter meinem Kiel durch. Wer auch immer da drin saß, er meinte es verdammt ernst.... Landegestell ausfahren..... check..... na bitte geht doch!


    Erstmal einen schönen großen Schluck.... ging auch nicht, ich hatte wirklich alles bis auf den letzten Tropfen verkauft.... Aber immerhin schien das Personal in Darnielle's Progress sehr dienstbeflissen, zumindest musste es einem Gerechten so scheinen, der gerade aus Gomorrah geflohen war. Ich erstarrte tatsächlich fast zur Salzsäule, als ich den funkelnden Showroom mit den niednagelneuen Mondmobilen sah, ein glitzernder Männertraum.... Ich entschied mich für eine Probefahrt mit einem Modell, dass den lyrisch anmutenden Farbton "Mitternachtsschwarz" trug, allradgetrieben, klimatisiert, hoch modernes Interieur .... was für ein Traumwagen. Wir kennen ja alle diese anonymen Häfen, irgendwo, oder im Nirgendwo, man erwartet da keine idyllischen Gärten, doch diese Schlachthofästhetik drückt doch stark aufs Gemüt. Ich beschloss die Probefahrt abzukürzen, ich hatte mich ohnehin auf den ersten Blick in meinen neuen Untersatz verliebt. Auf dem Weg zurück zum Hangar fiel mir auf, dass des Teufels Anaconda immer noch gute zwei Kilometer über meinem Landepad hing. Glaubte diese Blödbommel denn wirklich dass ich sie nicht sehe? Sollte er doch glauben was er will, ich jedenfalls würde in Darnielle's Progress übernachten. Wenigstens gab es hier kein Ungeziefer, dafür aber eine fachgerecht ausgeführte Unterbodenpflege......

    "Oh my God it works!"


    J.Robert Oppenheimer

  • Käpt'n Atomios unglaubliche Abenteuer bei den sieben Schwestern


    (Vierter Teil und la grande finale)


    Es war ein herrlich klarer Morgen, zumindest für einen beschissenen Mond, irgendwo am Rektum der Galaxie..... kein Wölkchen trübte den Himmel. Ich packte drei Unterhosen, eine Dauerwurst, und eine Staute Bananen ein, die ich in einem obskuren Bio-Feinkost-Geschäft ergattert hatte. Ich war guter Dinge.... vier Sprünge, eine handvoll Schleimbeutel und ich sollte ein Multimillionär sein.


    Besagter Mond, auf dem sich jener Thargoiden-Scout auf so beschämende Weise entleert haben soll, war dank modernster Sensorien nicht schwer zu finden. Ich beschloss etwas abseits der Unglücksstelle zu landen, denn bei dem was ich bisher in diesen Sektor erlebt hatte, weiß man ja nie..... Ein anderer Teil der Wahrheit ist, dass ich zwar fast blind Lichtjahre zu einem weit entfernten Teil der Galaxie zurücklegen kann, aber bis heute fast vollkommen unfähig bin, einen simplen Straßenatlas zu benutzen.... wohl an die zehn Kilometer lagen vor mir, zehn Kilometer Holperpiste...., mein Hintern begann sich nach bereits zweien davon nach dem lieblichen Kribbeln eines Neun-Zoll-Ohrenkriechers zurück zu sehnen.....


    Schließlich war ich nahe genug der Crash Site, um sie von einer Anhöhe überblicken zu können. Welch ein munteres Treiben sich mir bot..... ein halbes Dutzend Raumschiffe war da versammelt... eine grellbunte, komplett verspoilerte Python stach mir sofort ins Auge.... alles klar... drei Buchstaben auf dem Nummernschild.... wir sind hier halt irgendwo auf dem Lande, und nicht in Cubeo City.... ein verchromter Cutter.... nun ja.. nur der Scheich ist wirklich reich... dann noch eine handvoll mehr oder weniger unauffälliger Modelle.... dazwischen tummelten sich Mondautos aller Couleur, einige schienen hochkozentriert nach irgendwas zu suchen, andere wiederum vollführten wilde Pirouetten.... was man eben so tut, wenn man sich zufällig und vollkommen unverhofft an einem Alien-Wrack trifft.... es war ein bunter, unbeschwerter Reigen, welcher sich mir darbot. Nur drängte sich mir die Frage auf, ob ich nun ein bisschen paranoid war, oder meine neugewonnenen Kindergartenfreunde ein bisschen naiv........schließlich mussten doch auch sie mitbekommen haben, welch üble Saat an Niedertracht sich in den Plejaden ausbreitete......


    Ich begab mich zwischen sie, und ließ mich von ihrer Unbeschwertheit anstecken.... welch ein Idyll..... ein trügerisches, wie sich bald herausstellte..... ich hatte gerade zwei Schleimbeutel gesammelt und hatte mich in etwa einen Kilometer vom Hort des Sinnestaumels entfernt, als hinter mir die Hölle losbrach.... zwei Cutter stießen in steiler Flugbahn herab und begannen alles zu metzeln, was sich eben noch in so froher Runde versammelt hatte.... es bot sich mir ein Bild gnadenloser und absolut sinnloser Gewalt.... so ähnlich muss einige Dekaden zuvor auch Pearl Habor auf einen Betrachter eines nahen Hügels aus gewirkt haben....Der Chrom-Cutter schaffte als einziger einen Start, gefolgt von der Meute, wild um sich schießend.....


    Kennt ihr die Ruhe nach der Zerstörung? Ein nervöser Tinnitus..........aber wisst ihr was, so etwas kann auch wunderschön sein, besonders wenn man recht hatte.....



    Ich rollte hinab ins Tal, sammelte den letzten Schleimbeutel ein, rief meine treue Cassiopeia und machte mich eiligst von den Socken. Ich stellte mich ja noch auf ein Techtelmechtel mit zwei blutrünstigen Cutter-Kapitänen ein, jedoch blieb genau das aus..... überhaupt kam die Überfahrt zurück nach Obsidian ohne besondere Vorkommnisse aus.....


    ....außer vielleicht, dass ich den Chrom-Cutter noch mal wieder sah, der Kapitän teilte mir über Funk mit, dass er es gerade noch mit trockenen Hosen nach Obsidian geschafft hätte..... (das ist ja nun ein Fakt, den ich nicht für besonders erwähnenswert hielte, wenn er denn wahr wäre. Natürlich behielt ich das tunlichst für mich) Stattdessen lud ich ihn zu einem späten Dinner ein. Wie es der Zufall wollte, hatte er noch einige Hektoliter Wodka an Bord, und ich einen merkwürdigen Vogel, der aus einem der im Laserfeuer angebrüteten Eiern geschlüpft war....


    "Ente gut, alles gut....." sagte er in einem starken slawischen Akzent zu mir..... gepaart mit jeder Menge Wodka fand ich solcherlei Optimismus irgendwie ansteckend, und man musste schon eine ganze Menge guten Willen aufbringen, um diesen komischen Vogel für eine Ente zu halten...............






    Ende.

    "Oh my God it works!"


    J.Robert Oppenheimer

    Edited 2 times, last by Atomino ().

  • Also dem was Cmdr. Homunk da schreibt, kann ich eigentlich nichts hinzufügen. Und tue es trotzdem. Sehr gut. Hab es gern gelesen.
    Und ich kann den letzten Satz von Cmdr Homunk befürworten. Gerne mehr.


    Fly Safe Käpt'n Atomino

    Mors certa, sed hora incerta. (Der Tod ist gewiß, aber ungewiß die Stunde )

  • Dank erneut an meine Fans......
    Es wird nächsten Mittwoch eine Lesung mit anschließender Signierstunde am Auditorium in Cubeo City geben. Frau Aisling Duval (nun ja, auch eine leise Bewunderin meiner Person) wird anwesend sein, also bitte keine Raumanzüge tragen, Ladies and Gentlemen.....


    Hier noch ein Link, den Herr Selvin Kelevra neulich unter einen meiner Ergüsse gesetzt hat (ich habe den Scheiß so lange nicht gesehen, dass ich es wirklich zum Schreien fand):
    [youtube]ghbj6iNPfCU[/youtube]


    Eine Fortsetzung wird es vorerst nicht geben, ich muss zunächst neue Impressionen sammel, wäre cool, wenn FD ein bisschen behilflich wäre......


    Für Leseratten möchte ich aber gern auf meinen Kollegen, Herrn DocJingles verweisen:


    https://www.elitedangerous.de/…iewtopic.php?f=17&t=17228


    Was dieser Punk schreibt, ist wirklich lustig.
    Vieles an Science-Fiction-Literatur ist mir persönlich ansonsten ja meist zu trocken.....

    "Oh my God it works!"


    J.Robert Oppenheimer