Der Anwärter - eine Novelle im ED Universum

  • Der Anwärter
    Eine Novelle aus dem Universum von Elite: Dangerous!
    Erzählt von CMDR Crazy Pilot (aka Joshua Calvert)


    Kapitel I - Überraschung!


    Puhh: 22 Sprünge und 3 mal Auftanken zeigt der Navigationsrechner an. Das wird ja wieder mal ein schön abwechselungsreicher Tag. Ich habe von historischen Aufzeichnungen gehört, in welchen Drohnen dargestellt werden, die eine vorprogrammierte Wegstrecke vollautomatisch abfliegen. Und besagte Aufzeichnungen stammen aus dem 21. Jahrhundert. Diese Technik scheint es leider nicht ins 34. Jahrhundert geschafft zu haben, sonst könnte ich mich auf einer solchen Reise schön entspannen, einen netten Holo-Film schauen, ein Nickerchen machen, Kampftraining im VR-Sim oder ähnliche Späße durchführen.So aber stehe ich wieder am Beginn einer endlos öden Reise mit immer wieder den selben Handgriffen: Nächsten Wegpunkt ansteuern, Abkühlung des Antriebs abwarten, Antrieb aktivieren, psychodelisches Szenario aus dem Cockpitfenster bewundern, beinahe in eine Sonne stürzen. Und das immer und immer wieder. Unterbrochen nur durch ein paar Tankstopps, deren Zeitdauer es einem wenigstens erlauben, dabei eine Runde Robo-Skat zu spielen, so ziemlich der einzigste Zeitvertreib hier an Bord, der ein bißchen Spannung erzeugt.


    Aber warum nehme ich das eigentlich schon wieder auf mich? Nun, nachdem ich lange als Einzelkämpfer durch All gezogen bin, mich mit Handeln, Schmuggeln, Kopfgeldjagd, Weltraumerforschung und allen Abwandlungen davon über Wasser gehalten habe, wurde es an der Zeit, mich einem der größeren Clans im All anzuschliessen. Mir wurde es so völlig alleine da draussen langsam zu unsicher, man wird ja auch nicht jünger, und überhaupt ist es ja auch ganz nett, sich ab und zu mal mit einem Menschen zu unterhalten, nicht immer nur mit seinem Schiff, dessen Wortschatz man bereits schon am ersten Tag im Cockpit komplett ausgereizt hat. Auch hier kenne ich alte Aufzeichnungen, in denen die primitiven Fahrzeuge des 21. Jahrhunderts schon deutlich kommunikativer waren.


    Und so sitze ich nun in meiner Taxi-Sidewinder, welche ich mir extra für reine Reisezwecke angeschafft habe, und bin auf dem Weg in das Heimat-System meines zukünftigen Clans: Der German Pilot Lounge, kurz GPL. Leider war ich zum Zeitpunkt meines Entschlusses, mich diesem Clan anzuschliessen, so ziemlich am weitesten wie möglich von ihrem Heimatsystem Maridal entfernt. Und somit wären wir wieder am Anfang: 22 Sprünge, 3 mal Auftanken, ihr wisst schon ...


    Alles Jammern nutzt nichts, der Weltraum ist nunmal groß und trotz Frameshift-Antrieb, kurz FSD bzw. FSA genannt, dauert es halt doch immer noch seine Zeit, Entfernungen zu überwinden. Also raus aus dem Hangar der Coriolis Station, Startgenehmigung einholen und vom Landepad abheben. Und da man ja schließlich ein alter Hase ist, gleich das Fahrwerk rein, Schub auf Maximum und mit dem Booster auf den Schlitz zu halten. Da, wie beschrieben, sich der Nervenkitzel ansonsten in Grenzen hält, fliegt man natürlich geboostet auf der roten Seite des Kanals aus der Station. Hier wird auch gleich der Vorteil des Sidewinders deutlich: Er passt exakt zwischen einem im Einflug befindlichen Schiff der Anaconda-Klasse und der unteren Begrenzung des Eingangskanal durch. Was für ein Spaß! Der fluchende Anaconda Pilot wird im Kom-System natürlich sofort unterdrückt, das ist schon Standard-Prozedur und die dazu nötigen Handgriffe laufen vollautomatisch ab.


    Der erste Wegpunkt ist anvisiert, der FSD heult auf und 5 Sekunden später erscheint vor dem Cockpit wieder das altbekannte Szenario, welches aussieht wie ein animiertes Gemälde des Altmeisters Bob Ross aus dem 20. Jahrhundert. Ja, ich weiß, ich bin halt ein Nostalgiker. Wrrrrrooppp, und die Sonne des Sternsystems meines ersten Wegpunktes, von 22, um das mal wieder ins Gedächtnis zu rufen, erscheint formatfüllend in meinem Cockpitfenster. Getankt wird hier noch nicht, also gleich auf den nächsten Wegpunkt hinhalten und den FSD aktivieren. Doch halt, da gibts ja noch diese tolle Abkühlphase. Aus Sekunden werden hier gefühlte Minuten, bis endlich wieder der nächste Sprung erfolgen kann. 5,4,3,2,1,Wooopp, in meiner Fantasie erscheinen wieder die Gemälde von Bob Ross. Wenn ich so eines doch nur im Original hätte, ich wäre ich ein gemachter Mann. Aber selbst die Kunstkritiker des 21. Jahrhundert wurden überrascht, als die Preise für Bobs Werke nach seinem Tod plötzlich durch die Decke schossen. Und Anfang des 22. Jahrhunderts legte man sein Geld lieber in BR-Gemälden an als in Aktien der aufkommenden Space-Industrie, welcher ja eine rosige Zukunft vorhergesagt wurde. Zu Recht, wie wir heute wissen.


    So, jetzt müßte doch eigentlich gleich das wrrrroopp kommen. Die Flugdauer im Hyperraum kommt mir diesmal ziemlich lang vor. Vergeht die Zeit nun etwa noch langsamer? Kein wrrrrooooopp weit und breit, noch nicht mal ein wrüpchen. So etwas habe ich in tausenden Sprüngen bisher nicht erlebt. Sekunden verstreichen, oder sind es Minuten, und ich bin immer noch nicht aus dem Hyperraum ausgetreten. Was ist hier los? So langsam wird es mir etwas mulmig zumute. Soll Carlos etwa den FSD meiner Sidewinder nicht richtig gewartet haben? Habe ich das gute Stück zu lange rumstehen lassen? Meine innere Fragestunde wird jäh unterbrochen. Es kommt zwar kein wrrrooop, aber ein drrr drrr drrr, vor den Cockpitscheiben verschwimmt das bekannte Bild zu einem Brei aus Farben und Schattierungen, und mit einem lauten Knall erscheint vor meinem Schiff der vertraute Anblick einer Sonne. Puhh, wohl noch mal Glück gehabt!


    Ein kurzer Kontrollblick auf die Instrumente, und erste Sorgen kommen hoch. Die Schilde sind runter! Die Integrität des Rumpfes liegt bei 76%. Ein feindliches Schiff? Piraten? Hat man mich etwa aus dem Hyperraum gezogen? Sollte das nun möglich sein? Bisher konnte nur der sogenannte Supercruise eines Schiffes von aussen unterbrochen werden. Nervig genug! Aber die Unterbrechung eines Hyperraumsprungs? Sollte das jetzt möglich sein, so ist das komplett an mir vorbei gegangen. Dabei lese ich immer sehr regelmäßig die Galnet-News.


    Der Nahfeldscanner zeigt keine Schiffe im näheren Umfeld an. Vielleicht habe ich beim Austritt Weltraumschrott oder einen kleinen Asteroiden erwischt. Was immer es auch war, ich muss es mit der Sidewinder pulverisiert haben, denn im scannbaren Umkreis wird noch nicht einmal ein Staubkorn angezeigt. Na gut, die Schilde habe ich eh nur alibimäßig zur Beruhigung eingebaut. Da braucht es nicht viel, um diese zu durchdringen. Sie sind auch schon wieder am Aufbauen, und ohne feindlichen Kontakt, ja ohne überhaupt einen Kontakt in der Nähe, kann eh nichts weiter passieren.


    Also weiter zum nächsten Wegpunkt. Ähhmm, der Ziel-Radar ist leer, hmmm, muss der Rechner wohl die Nav-Daten bei der seltsamen FSD-Austrittsprozedur oder durch den Crash verloren haben. Also den Navigationsrechner aufrufen und neu planen. Aber Moment mal, was ist das? Der Nav-Rechner zeigt keine Daten an, nur einen schwarzen Bildschirm. Das kann nicht sein, Nav-Rechner neu starten! Nach dem Neustart das gleiche Bild. Keine Nav-Daten. Vielleicht hatte mein Rechner von diesem System noch überhaupt keine Daten. Dann also die Nav-Boje scannen. So eine gibts schließlich in jedem System und sie beinhaltet immer sämtliche Navigationsdaten des Systems. Diese Daten lassen sich dann einfach in den eigenen Nav-Rechner überspielen. Die Boje erscheint immer als Kontakt im Kommunikationsrechner. Flugs den Kom-Rechner aufrufen und auf die Kontaktseite schauen. Völlig leer! Das Gefühl in meiner Magengegend ist jetzt kaum noch zu beschreiben. Jetzt hilft nur noch die gute alte Navigation nach Sicht. Weg von der Sonne, das Schiffchen mal ins All gedreht.


    Was ist das? Nichts!!! Kein einziger Stern zu sehen, noch nicht mal Fünkchen Licht im All. Gähnende Leere wohin ich mich auch drehe!


    Was ist hier los? Wo bin ich? Panik!


    to be continued ...

    Grüße
    Josh (Cmd Crazy Pilot)

  • Na, dann werdens wohl die Thargoiden gewesen sein? Oder war's nur ein Traum?
    Schreib mal weiter, ist doch ganz gut bisher! :daumen:

  • Kapitel 2 - Planlos


    Ok, Du musst Dich beruhigen! Ich brauche jetzt Jemanden, der mir eine rein haut. Panik bringt mich hier nicht weiter. Ich habe schon so viele, teils ausweglos erscheindene Situationen gemeistert, da schaffe ich das hier auch noch. Nochmal die Lage sondieren: Ich bin aus dem Hyperraum in ein scheinbar komplett leeres System gesprungen. Eine Sonne gibt es immerhin, aber sonst ist hier nichts, rein gar nichts. Meine Hülle ist noch zu 76% intakt, ich muss beim Ausstritt aus dem Hyperraum mit irgend etwas kollidiert sein. Meine sonstigen Systeme arbeiten einwandfrei, Sauerstoff und Verpflegung reichen sicher für einige Wochen. Wenn ich sofort anfange, mit meinen Ressourcen zu haushalten, kann ich bestimmt noch ein paar Wochen rausholen. Navigationsrechner und Kommunikationssysteme scheinen hier erst einmal nutzlos zu sein. Ich muss mich also auf meine eigenen Sinne verlassen. Aber auch diese helfen zur Zeit nicht weiter, denn da draussen ist ausser des Sterns nichts. Absolut gar nichts.


    Was also tun? Treibstoff ist noch fast voll. Es hat mich ja bereits beim zweiten Sprung erwischt, bis dahin habe ich ja zum Glück nicht viel verbraucht. Und unter Umständen kann ich ja an dieser Sonne sogar auftanken. Ok, das sollte der erste Schritt sein. Schließlich ist Treibstoff das zur Zeit wichtigste Gut für mich, hält er doch alle Systeme meiner derzeitig nicht zu verlassenden Behausung am Laufen, auch die Lebenserhaltung. Also mal schauen, ob ich die Sonne anzapfen kann. Eine gute Idee, langsam kann ich wohl wieder etwas klarer denken.


    Die nun folgende Prozedur habe ich auch schon gefühlt tausende Male durchgeführt. Den Sidewinder Richtung Sonne drehen, den Treibstoffsammler raus und mit leichtem Schub vorsichtig der Sonne nähern. Sobald ich nah genug bin, fängt der Sammler an, aus der Fusionsenergie des Sterns Treibstoff für mein Schiff zu generieren. Gute Sache eigentlich. Man muss nur aufpassen, dass man dem Stern nicht zu nahe kommt. Der ist nämlich von Natur aus recht heiß und irgendwann schmilzt einem dann das schöne Schiff unter den Füssen weg, was sehr kontraproduktiv ist, speziell in meiner derzeitigen Situation. Immer schön die Temperaturanzeige im Auge behalten. Das Ding ist, dass, je näher man dem Stern kommt, desto schneller geht das Tanken. Allerdings wird es dann auch umso heißer. Da ich irgendwie glaube, dass es diesmal nicht auf die Schnelligkeit ankommt, nehme ich mir vor, gebührenden Abstand zu halten und eher langsam zu Tanken.


    Aber erst einmal muss Tanken überhaupt möglich sein. Das geht leider nicht bei jedem Stern, wie ich schmerzlich auf einer meiner Explorer-Reisen feststellen musste. Blöd, wenn man mit leerem Tank in einem System ohne Stationen und mit nur einem Stern hängt, welcher dann nicht zum Auftanken geeignet ist. Während eines normalen Menschenlebens ist es nämlich kaum möglich, einen anderen Stern zu erreichen, ohne einen Hyperraumsprung durchzuführen. Auch wenn die Beschleunigung des Schiffes exponentiell ist, so hat diese erst einmal Grenzen bezüglich der G-Belastung des menschlichen Körpers, muss also verhältnismäßig sanft erfolgen. Das aber wiederum verhindert die Überwindung astronomischer Distanzen. Dazu braucht man dann schon den Frameshift, und der benötigt wiederum sehr viel Treibstoff. Wie auch immer, damals war ich gestrandet, wurde aber gerettet. Eine Gruppe von Piloten hat aus der Not anderer ein Geschäftsmodell entwickelt, was ja oft passiert in der menschlichen Gesellschaft, und so konnte ich also die sogenannten "Fuel-Rats" zu Hilfe rufen. Diese lieferten mir dann auch prompt den benötigten Treibstoff und ich konnte meine Reise fortsetzen. Danke nochmal dafür! Ich befürchte nur, dass die Fuel-Rats mir hier nicht helfen können. Mein Kom-System ist tot, ich könnte sie noch nicht einmal rufen. Und selbst wenn, ich wüßte nicht, wohin ich sie schicken sollte. Meine Position ist mir nicht bekannt. Ich kann mich noch nicht einmal an den Namen des Sternsystems erinnern, welcher der Wegpunkt war, denn ich anspringen wollte. Diese Wegpunktnamen sind wie Schall und Rauch. Nur das endgültige Ziel ist wichtig. Was dazwischen liegt, spielt keine Rolle. Und irgendwie glaube ich auch nicht, dass mich das weiterbringen würde. Mich beschleicht das Gefühl, dass dies hier nicht das System ist, welches mein eigentliches Ziel war.


    Was ist das? Das beruhigende Gurgelgeräusch des Treibstoffsammlers ist plötzlich zu hören. Ein erster, wenn auch kleiner Erfolg. Ich kann an diesem Stern tanken. Treibstoff ist also erst einmal kein Problem. Irgendwie beruhigend. Näher fliege ich nun nicht ran. Ich möchte nicht riskieren, weitere Schäden am Schiff zu erleiden.


    Energie habe ich ja nun ausreichend, ja eigentlich unbegrenzt, denn theoretisch steht mir die Energie eines ganzen Sterns zur Verfügung. Das bedeutet auch, dass ich ohne Weiteres die Reparatur-Bots losschicken kann, um den Schaden an der Hülle zu richten. 76% sind zwar noch eine ganze Menge, aber irgendwie wirkt jeder Wert unter 100% hier immer ein wenig bedrückend auf mich.


    Das Schiff tankt, die Bots reparieren. Was kommt als nächstes? Lass das erstmal alles fertig werden, das dauert ja noch ein paar irdische Stunden. Ausserdem bin ich irgendwie ziemlich fertig. Die momentane Situation nagt doch sehr an mir. Ein paar Stunden Ruhe, evtl. sogar Schlaf, werden mir sicher dabei helfen, wieder mit klarem Verstand an die Sache ran zu gehen. Im Moment habe ich nämlich wirklich keine Ahnung, was ich als nächstes tun sollte. Und ohnehin kommen mir die besten Ideen immer kurz vor dem Einschlafen, wenn das an diesem Tag Erlebte von mir abfällt und die Gedanken frei werden.


    Bisher war sie fast nutzlos, bis auf das eine Mal, als Grindina der Weg von den Docks bis zu den Unterkünften zu weit erschien, aber jetzt bin ich richtig froh, dass ich einen Nutzlast-Container gegen eine kleine Wohnsuite ausgetauscht habe. Da der Sidewinder ja als Reiseschiff dient, dachte ich, es könnte hilfreich sein, hier auch eine etwas luxuriösere Unterkunft als die Pritsche hinter dem Cockpitsitz zur Verfügung zu haben. Obwohl ich sie fast nie genutzt habe, habe ich hier richtig Credits gelassen. Die Ausstattung hat den Gegenwert einer Cobra MK III. Eine eingepasste Lounge mit Überzügen aus feinstem Leder, eine Badausstattung, die in keiner noch so gut ausgestatteten Stations-Unterkunft zu finden ist und als zentraler Punkt eine, sagen wir mal Bettlandschaft, mit welcher ich mich selbst übertroffen habe: Ein Unterbau aus selbst anpassendem Komposit-Material, eine kühl- wie beheizbare Liegefläche, Rundum-Klang und Rundum-Videoprojektion durch einen Holo-Projektor und nicht zuletzt einen eingebauten Medi- und Massagebot, mann weiß ja nie. Irgendwo mussten ja die ganzen Credits mal hin, und da ich eh im Raumschiff lebe, war es nur naheliegend, hier zu investieren. Leider bin ich allerdings sehr viel öfter mit der Phyton oder dem ASP Explorer unterwegs und in diesen Schiffen ist für solche Spielchen leider kein Platz. Im Grunde genommen handelt es sich bei meiner sehr individuellen Sidewinder um eine Art Luxus-Weltraum-Jacht.


    Nun heißt es also langmachen und versuchen zu entspannen. Falls sich da draussen doch mal irgend etwas bewegen sollte, werden mich die Schiffssysteme sofort aufwecken. Gedanken gehen mir durch den Kopf: Was, wenn ich hier nicht mehr weg komme? Was, wenn ich durch einen Fehler des FSD an einen Ort transportiert wurde, der so weit von der Zivililsation weg ist, dass er ohne einen gleichen zufälligen Fehler im FSD nicht mehr zu verlassen ist? Ist das nur mir passiert bisher und wenn ja: WARUM IMMER ICH? Ich habe noch nie von ähnlichen Fehlfunktionen des FSD gehört. Eigentlich funktioniert das System seit hunderten von Jahren völlig fehlerfrei. Ja, am Anfang dieser Technik gab es ein paar unschöne Fehlversuche, einige Testschiffe sucht man noch heute, samt Besatzung. Aber das ist lange her und alle Fehler wurden bereinigt. Also eigentlich glaube ich nicht an eine Fehlfunktion des FSD. Hier muss etwas anderes passiert sein. Auf welcher Seite des Universums befinde ich mich nur? Moment mal, welche Seite? Genau! Vielleicht finde ich die Lösung auf der anderen Seite des Sterns. Ich muss mich einfach mal bewegen. Von hier aus sehe ich nichts, aber vielleicht von einem anderen Punkt. Ok, erst mal ausruhen, Tanken und Reparatur abwarten. Dann schaue ich mich hier mal ein wenig um.


    Wie lange habe ich wohl geschlafen? Ich habe nicht auf die Schiffsuhr geschaut, als ich in die Suite gegangen bin, aber ein paar Erden-Stunden waren es wohl. Die Tanks sind voll und auf der Anzeige über die Integrität der Schiffshülle stehen beruhigende 100%. So muss das sein! Da ich nun nicht mehr ganz so planlos bin wie vor dem Nickerchen, nehme ich auf dem Pilotensessel Platz, ziehe das Schiff vom Stern weg und beschleunige. Ich möchte einmal den Stern umkreisen und schauen, ob sich irgendwo ein Zeichen auf weitere Objekte in meiner Umgebung zeigt. Den Abstand zum Stern lasse ich dabei immer gleich, das gehört zum Konzept. Nach einer Runde werde ich einen solchen Flug in größerer Entferung wiederholen.


    Nun habe ich den Stern schon fünf mal in immer größer werdenden Abständen umkreist. Gefunden habe ich absolut nichts. Es wird im gespenstiger. Ich scheine wirklich völlig alleine zu sein in dieser Umgebung. Ein Schauer geht mir über den Rücken. Aber noch gebe ich nicht auf. Eine Runde mache ich noch, diesmal möchte ich den Abstand zum Stern noch einmal deutlich vergrößern. Ich beschleunige also genau vom Stern weg und nehme mir vor, so mindestens eine Stunde lang zu fliegen.


    Böööp, böööp, böööp. Der Alarm des Aufprall-Indikators reißt mich aus einer beginnenden Lethargie. Aufprall? Oh Gott, da ist irgend etwas! Schub zurück nehmen, schnell! Ich kann zwar nichts sehen, aber der Sensor hat irgendetwas erkannt, mit dem ich gleich kollidieren werde. Ich gehe auf vollen Umkehrschub, werde fast aus dem Sessel geschleudert und plötzlich sehe ich nur noch Funken vor dem Cockpitfenster und der Schild-Indikator zeigt eindeutige Aufprallspuren an. Die Schilde gehen zurück, ich bin an irgend etwas gestossen. Plötzlich ist der Ritt vorbei. Ich stehe, kann aber draussen nichts erkennen. Moment mal, vielleicht mal die Landescheinwerfer einschalten. Was ich nun sehe, kann ich fast gar nicht glauben. Sollten mich meine Sinne schon täuschen? Ist das beginnender Wahnsinn?


    to be continued ...

    Grüße
    Josh (Cmd Crazy Pilot)

  • Kapitel 3 - Erkenntnis


    Ich stehe eindeutig vor einer rabenschwarzen Wand! Diese scheint sich endlos in alle Richtungen auszudehnen und ist definitiv sehr massiv. Sie besteht aus einem Material mit einer seltsam zerklüfteten Oberfläche, die aussieht wie eine gesprungene Komposit-Glasscheibe, so viele Furchen und Risse kann man erkennen. Und eines ist sehr deutlich und wirkt auf mich fast schockierend: Dieses Gebilde ist ganz sicher nicht natürlichem Ursprungs, das wurde gebaut!


    Irgendwo muss es doch hier ein Ende geben. Oder ein Gate oder ähnliches. Irgendwo muss ich ja rein gekommen sein. Ganz offensichtlich bin ich ja wohl auf der falschen Seite der Mauer und muss von der anderen Seite gekommen sein. Wie steht es schon in den Lyrics der einzigen Musik, welche Jahrtausende überdauert hat, ok, außer dem Donauwalzer? "There must have been a door there in the wall. When I came in." Pink Floyd hat damals wohl schon meine Situation vorhergesehen und versucht damit, mir einen Tipp zu geben. OK, jetzt nur nicht durchdrehen. Rational denken!


    Ich muss einfach immer an der Wand entlang fliegen. Irgendwann werde ich dann wohl auf das Ende bzw. den Anfang oder was auch immer stossen. Ich füttere den Bordrechner mit dem derzeitigen Abstand zum Stern und lasse mir die Differenz dazu während des Fluges anzeigen. Ich möchte wissen, ob diese "Mauer" geradelinig verläuft oder aber evtl. sogar um den Stern herum, was natürlich dann ein gewaltiges Gebilde wäre. Und los, ich gebe Stoff und halte immer den gleichen Abstand zu dem Gebilde. Nach einer Viertelstunde ist klar: Der Abstand zum Stern bleibt immer gleich. Das Teil geht also tatsächlich rund um diese Sonne. Mich beschleicht ein erster wager Verdacht, mit was ich es hier wohl zu tun haben könnte. Diesen Gedanken verwerfe ich aber sogleich wieder. Das kann einfach nicht sein, denn trotz aller Technologie, welche die Menschheit mittlerweile zur Verfügung hat, ist so etwas einfach nicht machbar.


    Nach einem mehr als vierstündigem Flug stellt der Bordrechner fest, dass ich den Stern ein weiteres Mal umkreist habe. Ich bin also wieder am Ursprungsort der ersten Mauerbegegnung angekommen. Das massive Gebilde zieht sich also wirklich um den kompletten Stern. Und das in dieser Entfernung. Die Ausmaße sind so gigantisch, dass ich an eine Sinnestäuschung glaube. Gegen dieses Gebilde wirken selbst die größten Coriolis Stationen wie Sandkörner. Vielleicht gibt es ein Oben und Unten? Ich positioniere das Schiff genau im 90° Winkel zum ersten Umlauf und starte erneut. Wieder dauert der Flug mehr als vier Stunden und wieder lande ich am Ursprungsort. Ich muss meinen bereits verworfenen Gedanken wieder hervorholen: Es gibt nur eine halbwegs logische Erklärung für das bisher Erlebte: Ich befinde mich in einer Dyson Sphäre!


    So unglaublich das klingen mag, aber ich habe keine andere Erklärung für meine Situation. Es sieht so aus, als wäre der Stern tatsächlich von einer großen Sphäre umgeben. Solche Gebilde existieren eigentlich nur in der Theorie, denn aufgrund ihrer schieren Größe und der daraus entstehenden Masse galt es bisher als unmöglich, so etwas zu errichten. Dyson Sphären werden in der Theorie benötigt, um die komplette Energie, welche ein Stern abgibt, zu bündeln und zu nutzen. Es gibt zwar Gerüchte, wonach Raumpiloten ein solches Bauwerk gesehen oder davon gehört haben wollen, aber die wurden allesamt als Raumpilotengarn abgetan.


    Diese Erkenntnis wirft allerdings mehr Fragen auf als sie beantwortet. Gut, ich kann mir nun in etwa vorstellen, was mir passiert ist: Mein Hyperraum-Sprung muss irgendwie abgelenkt worden sein und ich bin kurz vor dieser Sphäre ausgetreten. Die restliche Geschwindigkeit, welche natürlich immer noch sehr hoch war, hat mich durch die Sphäre krachen lassen und weit in diese hinein geschleudert. Das erklärt die nicht mehr vorhandenen Schilde und die Schäden am Rumpf nach dem Austreten aus dem Hyperraum. In der Sphäre selbst muss ein Überdruck geherrscht haben, evtl. verursacht durch die Sonnenwinde des Sterns, welcher die Trümmerteile nach aussen geschleudert hat. Deswegen konnte ich auch überhaupt nichts finden in der Sphäre. Es ist alles plötzlich erschreckend plausibel.


    Es gibt nun aber viele neue Fragen: Wer hat das Ding gebaut? Und wozu? Wieso kennt das Niemand? Wie blieb die Sphäre unentdeckt und warum versteckt man sie überhaupt? Wo verdammt ist das Loch, dass ich geschlagen haben muss? Denn da komme ich wieder aus.


    Die letzte Frage ist die vorerst Wichtigste: Wo bin ich reingekommen? Auf dem gleichen Weg kann ich die Sphäre dann auch wieder verlassen. Und den anderen Fragen kann ich dann von ausserhalb auf den Grund gehen. Kurz habe ich noch den Gedanken, dass ich ja auch versuchen könnte, nochmal von innen durch die Sphäre zu brechen. Ich habe allerdings Bedenken, dass das Schiffchen das aushält. Möglich, dass ich beim Eintritt einfach Glück hatte, nicht ganz pulverisiert geworden zu sein. Aber wie finde ich jetzt das Loch, das ich beim Eintritt geschlagen habe? Eigentlich gibt es da nur einen Weg: Ich muss systematisch die gesamte Sphäre von innen absuchen und dabei meine Runden so legen, dass kein Quadratzentimeter unentdeckt bleibt. Eine Sisyphos-Aufgabe!


    Als der Bordcomputer mit den entsprechenden Daten gefüttert ist, spuckt er mir folgendes Ergebnis aus:


    Optimale Abweichung zur vorherigen Runde in Grad: 0,2
    Anzahl Umrundungen gesamt: 1.800
    Zeit pro Umrundung: 4,12 irdische Stunden
    Benötigte Gesamtzeit: 7.416 Stunden bzw. 309 Tage


    Das heißt, mit den nötigen Pausen, ich kann ja nicht ununterbrochen das Schiff fliegen lassen, benötige ich für die Suche über 1 JAHR! Na ja, das ist ein sehr theoretischer Wert, evtl. finde ich den Ausgang ja schon bei der ersten Runde. Dann dauerts weniger als 4 Stunden. Ich halte also fest: Verbleibende Zeitdauer in der Sphäre zwischen unter 4 Stunden bis über 1 Jahr. Das hätte wir dann schonmal eingegrenzt. Na gut, Warten verlängert meinen Aufenthalt hier nur, also ran an den Knüppel und auf zur ersten Runde.


    Zapp, zapp, patsch ... wieder kann ich kaum glauben, was ich sehe. Ich war so in das Füttern des Bordcomputers und dem Berechnen des optimalen Vorgehens vertieft, dass mir eines wohl entgangen ist: ICH STEHE UNTER LASERFEUER! PANIK!

    Grüße
    Josh (Cmd Crazy Pilot)

  • LÜGE LÜGE !


    also ich hab ne recht umfassende sammlung alter musik auf meinem tragbaren datenspeicher....
    man muss nur wissen wo mann danach sucht.....





    aber toll geschrieben...


    langsamer anfang und nun gehts schlag auf schlag.....
    bin gespannt


    Ich Flog aus um das Universum zu retten, und kam betrunken wieder.....
    http://inara.cz/cmdr/999

    ---Elite / Elite / Elite---
    13.09.15 / 31.8.16 / 30.11.17---
    [color=#FFFFFF]Sagitarius A 28.4.16

  • Ich les' schon mit. Schreib' mal weiter! Aber sag' mal, warum ist's innerhalb der Dysonsphäre so finster und unbewohnt. Wer macht sich die Mühe so etwas zu bauen, wenn dann eh' nichts drinn ist ...

  • Hallo,


    das klärt sich alles auf, versprochen. Genau genommen ist das aber auch genau die Natur einer Dyson-Sphäre. Aber bald werdet ihr etwas mehr darüber lesen. Das geht hier auf jeden Fall weiter, denn natürlich ist die Story schon sehr viel weiter fortgeschritten, als hier zu lesen ;-) Die nächsten Teile stehen schon in den Startlöchern. Morgen geht es weiter.


    Ich möchte nicht alles auf einmal veröffentlichen, denn so kann ich die Spannung leichter oben halten. So ein Forum ist da als Medium sehr gut geeignet. Da kann der Autor entscheiden, wann weiter gelesen wird ... und das kann durchaus ein Vorteil sein <g> (und ist auch ein kleines Experiment meinerseits, das euch hoffentlich auch Spaß macht.)


    Allzeit min. 1 Ring auf dem Schild und bis bald.


    Grüße
    Josh

    Grüße
    Josh (Cmd Crazy Pilot)

  • Kapitel 4 - Erwischt!


    Ein schneller Blick auf den Radar zeigt mir, dass sich um mein Schiff herum ein gutes Dutzend anderer Schiffe positioniert hat. Eines dieser Schiffe feuert leichte Salven auf mich ab. Wohl nur Warnschüsse, den mein mickriger Schild hält bisher. Mal schnell auf das Kom-Display schauen. Tatsächlich! Dort wird der Text "Geben Sie auf, senken Sie sofort die Schilde und fahren Sie die Waffen ein! Auf jeden weiteren feindlichen Akt wird es eine tödliche Erwiderung geben!" von einer unbekannten Quelle angezeigt. Weiterer feindlicher Akt? Was habe ich den getan? OK, außer ein schiffsgroßes Loch in ein einzigartiges Bauwerk zu schlagen habe ich mir hier doch nichts zu Schulden kommen lassen. Und "Fahren sie die Waffen ein"? Kunststück, ich habe gar keine. Also ein unbewaffneter Sidewinder gegen mindestens 12 bewaffnete Schiffe. Ich bin eh tot, denke ich mir. Da kann ich es auch schneller gehen lassen und die Schilde abschalten. Ohne noch länger zu zögern schalte ich also die Schilde ab und ziehe in Erwartung der nun folgenden Explosion den Kopf ein. Werde ich eher die Kälte des Weltraums oder die Hitze der Explosion zu spüren bekommen? Oder spüre ich einfach gar nichts mehr? Ich bin vorher noch nie mit einem Raumschiff explodiert, obwohl es manchmal schon sehr knapp davor war. Diesmal gibt es wohl kein Entkommen ...


    Aber das Laserfeuer verstummt augenblicklich. "Eine weise Entscheidung!" steht nun auf dem Kom-Display. "Folgen Sie dem Schiff direkt vor Ihnen, halten sie den derzeitigen Abstand genau ein und weichen Sie keinen Meter vom Kurs ab!", so die nächsten Anweisungen, wohl eher Befehle. Gut, denke ich, scheinbar komme ich aus diesem Ding hier doch früher raus als erwartet.


    Das Schiff vor mir, übrigens habe ich diese Klasse noch nie gesehen, setzt sich in Bewegung und mein Radar zeigt mir an, dass sich die restlichen Schiffe so um mich herum platziert haben, dass es wohl kein Entkommen gibt. Aber ehrlich, wohin auch? Ich bin doch eigentlich erst einmal froh, hier heraus eskortiert zu werden. Also keine Angst "Freunde", ich mache bestimmt keinen Ärger.


    Seit ca. 2 Stunden folge ich nun stur meinem "Leader". Eilig scheinen sie es nicht zu haben, selbst meine Minibüchse könnte mindestens doppelt so schnell vorwärts kommen. Aber gut, ihr seit die Chefs. Das mit dem "keinen Meter abweichen" nehmen die übrigens absolut wörtlich. Als ich eben mal kurz die Konzentration verlor und leicht hinter dem führenden Schiff zurück gefallen bin, hatte ich sofort 2 Schiffe sehr eng an Steuer- und Backbord, welche mich unmißverständlich auf meine Abweichung aufmerksam machten. Zurück in die Linie, kein Problem. Apropos Schiffe: Diese sind aus der Nähe absolut beindruckend. Etwa so groß wie ein Schiff der Python-Klasse, aber gut erkennbar deutlich manövrierfähiger. Anhand der außen zu sehenden Aufhängungen sicher Kampfschiffe, aber so genau kann ich das nicht sagen, denn meine Scanner zeigen nichts an. Ich sehe die Schiffe auf dem Radar, vermutlich, weil es so gewollt ist, aber ansonsten erhalte ich keinerlei Informationen. Und dann sehe ich es ...


    Plötzlich öffnet sich genau vor uns ein Fenster zu den Sternen. Im bisher komplett schwarzen Raum scheint ein rechteckiger Bereich zu schweben, der immer größer wird und durch den sich deutlich das vertraute Universum abzeichnet. Jetzt kann ich vielleicht sehen, wo ich überhaupt bin. Schnell den NAV-Rechner aufgerufen und ... peng! Dicke Rauchschwaden aus dem Rechnerbereich meines Schiffes sagen mir, dass es das wohl gewesen ist mit dem Nav-Computer. Auf dem Kom-Display erscheint auch sofort die Bestätigung "Verwenden Sie keine weiteren Schiffssysteme ohne dazu aufgefordert zu sein!". Nee, iss klar, keine weiteren Systeme! Jawoll Sir!


    Wir gleiten durch die Öffnung und ich kann mir einen erleichternden Seufzer nicht verkneifen. Meine Lage ist zwar immer noch recht misslich, aber wenigstens bin ich wieder in einer halbwegs vertrauten Umgebung. Um mich herum öffnen sich wieder die Weiten des Universums. Nie war dieser Anblick schöner! Ich habe schon daran gezweifelt, dies jemals wieder zu sehen. Aber ich sehe es und ich bin noch am Leben. Meine Begleiter wollen diesen Zustand wohl auch erst einmal nicht ändern, sonst hätten sie das längst getan.


    Als wir durch die Öffnung sind, ändert der Führer den Kurs und hält auf einen in der Ferne bereits deutlich erkennbaren Planeten zu. Im Hintergrund ist auch eine weitere Sonne zu sehen, ganz offensichtlich nicht mit einer Sphäre umgeben. Das wäre natürlich ein optimales System: 2 Sterne, dazwischen ein Planet in der habitablen Zone. Einen Stern nutze ich als Energiequelle, den anderen als die zum Leben unbedingt notwendige Lichtquelle. Genial! Das muss wirklich eine Dyson-Sphäre gewesen sein, aus der ich nun raus geflogen bin. Wie gerne würde ich nun einmal nach hinten schauen, aber seltsamerweise ist dies in den mir bisher bekannten Schiffen nicht möglich.


    Wir haben nun deutlich beschleunigt und ich habe Mühe, am Schiff vor mir dran zu bleiben. Der Seidi pfeifft schon aus dem letzten Loch und der unbekannte Pilot des Führungsschiffs beschleunigt weiter. Sollte ich ihm mitteilen, dass ich nicht mehr schneller kann? Dann würde ich aber unaufgefordert ein Schiffssystem nutzen, das wäre keine gute Idee. Wahrscheinlich würde dann nicht nur das Kom-System in Rauch aufgehen! Boosten fällt auch flach, ich sage nur: Weiteres Schiffssystem! Na ja, die werden schon merken, dass ich nicht schneller kann. Aber irgendwie bleibe ich trotzdem dran. Meine Anzeige steht schon bei 380 m/s, das ist für einen Sidewinder eigentlich fast unmöglich. 420 m/s, 500 m/s, hänge ich an einem Traktorstrahl? Wie machen die das?


    Trrrrrrrrrrrrrrrwooosch, ich bin im Supercruise! Ich habe ihn nicht aktiviert, mein FSD hat auch nicht geladen, ich war einfach plötzlich drin! Was ist das hier? Man kann den Supercruise von außen unterbrechen, ja. Piraten nutzen das zum Beispiel, oder Kopfgeldjäger, um die Schiffe zu stellen und zum Aufgeben zu zwingen. Das man den Supercruise aber von außen aktivieren kann, das ist mir neu. Aber ich habe in den letzten Stunden so viel Verrücktes erlebt, dass mich das nun gar nicht mehr so beeindruckt. Ich lasse es einfach nur geschehen.


    Das nächste Seltsame, was ich sehe, ist der Planet, der immer größer vor meinem Cockpit erscheint. Ganz klar ein Planet, aber solch eine Oberfläche habe ich in den tausenden von Sternensystem, welche ich bisher besucht habe, noch nicht gesehen. Obwohl wir zur dunklen Seite anfliegen, kann man selbst aus der Entfernung schon leuchtende Strukturen erkennen. Es sieht so aus, als wenn man in der Nacht über eine große Stadt fliegt, nur, dass der ganze Planet damit bedeckt zu sein scheint. Von hier aus sieht es so aus, als wäre der ganze verdammte Planet eine einzige Stadt! Und je näher wir kommen, desto sicherer bin ich mir, das dem tatsächlich auch so ist. Sollte ich hier heil raus kommen, wird mir das Niemand glauben, schießt es mir durch den Kopf. Wobei ich mir durchaus vorstellen könnte, dass meine neuen Freunde das vielleicht gar nicht gut finden würden, wenn ich meine bisherigen Entdeckungen ausplaudere. Evtl. werden sie es sogar zu verhindern wissen, dass das jemals geschehen kann. Ein eiskalter Schauer läuft mir über den Rücken.


    Es muss ein gigantischer Aufwand sein, das, was ich bisher gesehen habe, vor der Galaxie zu verbergen. Wäre das hier alles schon entdeckt worden, dann wüsste ich das, da bin ich mir sicher. Und es gibt so viele Explorer, die nichts anderes tun, als den bisher nicht besiedelten Weltraum zu erforschen. Es scheint noch Niemand auf diesen, nennen wir es mal Außenposten, gestoßen zu sein. So etwas Sensationelles hätte sich ganz sicher schnell verbreitet. Und das, obwohl ich wahrscheinlich erst einen Bruchteil von dem gesehen habe, was mich hier wirklich erwartet. Aber das reicht schon, um als absolute Sensationsentdeckung in die Geschichtsbücher einzugehen: Eine scheinbar funktionierende Dyson-Sphäre, ein komplett bebauter Planet, extrem manövrierfähige Schiffe, welche offensichtlich die komplette Kontrolle über andere Schiffe übernehmen können. Sagenhaft!


    Wir haben tatsächlich direkt den Planeten angeflogen und sind bereits aus dem Supercruise ausgetreten. Ich kann mein Schiff nicht mehr steuern, die Kontrolle liegt nun komplett in fremder Hand. Hätten sie doch auch gleich machen können, dann wäre mir die ein oder andere Drohung erspart geblieben. Na ja, vielleicht wollten sie auch nicht gleich alle Karten auf den Tisch legen und erst einmal sehen, wie ich mich verhalte. Auf jeden Fall kann ich nun die "Stadt" aus der Nähe sehen. Alles ist dicht an dicht und extrem in die Höhe gebaut. Vieles ist hell erleuchtet, der Energiebedarf muss gigantisch sein, aber wenn die Sphäre wirklich funktioniert, dann ist das das kleinste Problem.


    Unser Flug führt uns durch die Hochhaus-Schluchten und ich kann vor mir eine Art Weltraum-Bahnhof erkennen. Es sind ganz klar Landeflächen für Raumschiffe zu sehen, auch, wenn das Design und die Art des Aufbaus stark von den mir bekannten Landepads abweicht. Sie sind auch nicht einfahrbar, wie man das von den Raumstationen kennt, sondern darauf landende Schiffe werde sofort von einer Art halbdurchsichtigem Schutzschild umgeben, sobald sie gelandet sind.


    Mein Schiff setzt vollautomatisch auf einer solchen Landefläche auf. Mit einem seltsamen Geräusch baut sich das "Glasdach" um mich auf. Der Antrieb verstummt, das Kraftwerk fährt runter. Meine Schiffsanzeigen erlöschen, der Seidi ist tot! Hmmm, ob ich wohl aussteigen kann? Die Frage wird auch gleich beantwortet, indem sich die Ausstiegsluke öffnet und die Rampe herunter fährt. Zögern hat wohl keinen Sinn und ich gehe langsam die Rampe hinab. Unten angekommen schaue ich mich um. Ich habe noch nie im Leben so viele unterschiedliche Schiffe auf einem Haufen gesehen. Kein einziges dieser Modelle ist mir je vor die Augen gekommen. Aber Moment mal, was ist das denn da hinten? Das kann doch nicht sein! Sowas habe ich doch schonmal gesehen!


    Meine Gedanken werden jäh unterbrochen. Etwa 50 Meter vor mir kommt eine kleine Gruppe von seltsam gekleideten und behelmten Personen einfach aus dem Boden gefahren. Und was sie da gerade auf mich richten, müßten wohl Waffen sein. PANIK!


    to be continued ...

    Grüße
    Josh (Cmd Crazy Pilot)

  • Kapitel 5 - Bedrängnis


    Gut Jungs. Gaaanz ruhig bleiben. Ich bin unbewaffnet und bewege mich nicht, ja ich atme noch nicht einmal. Also schön die Finger vom Abzug lassen und nicht nervös werden. Ich bin nur ein kleiner Anwärter auf dem Weg zu seinem zukünftigen Clan.


    Also eigentlich wirken die gar nicht so nervös. Warum auch? In dieser Situation von einem Vorteil mir gegenüber zu sprechen, wäre die Untertreibung des Jahrhunderts. Pure Überlegenheit trifft es da schon besser, wenn auch das noch nicht ganz zutrifft. Sie kommen langsam auf mich zu. Sicher sind das einige der Piloten, die mich begleitet haben. Den Pilotenhelm haben sie gar nicht erst abgelegt. Könnten sie sicher tun, denn die Atmosphäre unter meiner virtuellen Glaskuppel ist atembar. Kein Problem.


    Während der Rest der Truppe in ca. 5 Meter Abstand vor mir stehen bleibt, kommt einer der Gestalten auf mich zu. Er positioniert sich direkt vor mit und nimmt den Helm ab. Puhh, ein Mensch. Einen kurzen Moment hatte ich schon andere Befürchtungen, aber glücklicherweise stimmt hier wenigstens die Spezies. "Commander, Sie haben sich unbefugten und darüber hinaus noch gewaltsamen Zugang zu einer unserer Einrichtungen verschafft. Ich muss Sie bitten, mir zu folgen, um die Umstände unseres, ehrlich gesagt sehr überraschenden, Aufeinandertreffens zu klären." Meine Frage, ob ich denn eine andere Wahl hätte, wird nur belächelt. Also folge ich der netten Einladung und ebenso dem netten Herrn ohne Namen begleitet von einer Patrouille bewaffneter Aufpasser.


    Wir begeben uns auf den Punkt, aus welchem vor ein paar Minuten die Gruppe aus dem Boden erschienen ist. Plötzlich verschwindet der Boden unter meinen Füssen und ich schaue in einen Abgrund, sicher mehr als 20 Meter geht es da in die Tiefe. Ich bereite mich innerlich schon auf den Aufprall vor, das war es dann jetzt ... schon wieder! Aber ich falle nicht! Unsere Gruppe bewegt sich, von einer unsichtbaren Kraft gehalten, langsam durch die entstandene Öffnung nach unten. Als wir durch sind, schließt sich der Boden, der jetzt natürlich die Decke ist, wieder völlig geräuschlos.


    Wir gleiten weiter hinab durch einen runden Schacht von etwa 10 Metern im Durchmesser. Wenn ich nach unten blicke, was mir zugegebenermaßen recht schwer fällt, ich habe da ein kleines Höhenproblem, kann ich etwas Licht durch eine seitliche Öffnung fallen sehen, sehr wahrscheinlich eine Art Tür. Ja, das ist der Ausgang. Unten angekommen führt man mich durch diese Tür in einen langen Gang, der wie eine große Röhre aussieht, mit bestimmt mehr als 8 Metern Durchmesser und welcher angenehm hell beleuchtet ist, obwohl ich keine einzige Lichquelle ausmachen kann. Es scheint so, als leuchten die Wände von ganz alleine. Die ganze Architektur wirkt auf mich bisher ohnehin vollkommen fremd. Das sind eindeutig Menschen hier, ja, aber der Rest passt optisch bisher nicht zu dem, was ich sonst gewohnt bin.


    Nach gut 100 Metern bleiben wir stehen. Einer meiner Begleiter dreht sich nach rechts und starrt auf die Wand, in welcher plötzlich eine Öffnung erscheint. Wieder völlig geräuschlos und wie aus dem Nichts! Wir gehen hindurch und stehen in einem Raum, sehr groß und sehr spartanisch ausgestattet. Die weißen, gut 6 Meter hohen Wände scheinen auch hier wieder wie von selbst zu leuchten. Übrigens ein sehr beruhigendes Licht, nicht zu hell, nicht zu dunkel, einfach nicht störend. Auf der rechten Seite vom Eingang aus betrachtet stehen etwas verlassen ein Tisch und zwei Stühle. Der Rest des Raumes ist leer.


    Der einzige Mensch, der bisher zu mir gesprochen hat, deutet mir an, sich auf einen der Stühle zu setzen. Dann schickt er den Rest der Truppe aus dem Raum. Hinter ihnen fließt die Tür wieder zu einer Wand zusammen. Krass! Wie erwartet nimmt mein neuer Freund gegenüber von mir am Tisch Platz.


    "Ich bin Commander Grohardt Rulf", stellt er sich vor. "Ich kenne Ihren Namen nicht und ehrlich gesagt ist mir dieser auch völlig egal! Ich möchte nur eines von Ihnen wissen: Wie verdammt noch mal haben Sie es geschafft, in unseren Raum zu gelangen?"
    Ich kann nur eines antworten: "Sagen Sie es mir."
    Er bleibt ganz ruhig: "Sie müssen zugeben, dass wir es bisher sehr gut mit Ihnen gemeint haben. Schließlich wurden WIR von IHNEN angegriffen! Aber wir sind ein von Grund auf sehr friedliches Volk ... zumindest bis zu einem bestimmten Punkt. Ich rate Ihnen sehr, es nicht bis zu diesem Punkt kommen zu lassen! Ich stelle Ihnen die Frage also noch einmal ganz langsam: W i e s i n d S i e i n u n s e r e n R a u m g e l a n g t ?"
    Ich überlege kurz und sage dann: "Hören Sie, ich bin von dem, was ich bisher hier gesehen habe, unglaublich beeindruckt und ich möchte mir gar nicht vorstellen, welche Möglichkeiten Sie haben, mich zum Reden zu bringen, falls Sie der Meinung bin, ich kooperiere nicht. Deswegen sehe ich auch keinen Sinn darin, Sie anzulügen. Ich möchte Ihnen also so genau es geht erzählen, was ich erlebt habe."


    Und so prasselt meine Geschichte auf ihn ein, von dem Moment an, als ich in die Sidewinder gestiegen bin bis zu dem Moment, als mich das Laserfeuer seiner Kameraden aufschrecken ließ.


    Er steht auf, wendet sich ab, geht mit hinter dem Rücken verschränkten Armen ein paar Schritte vom Tisch weg, bleibt kurz stehen, dreht sich um, schaut mich an und kommt wieder zurück an den Tisch. Ohne sich zu setzen sagt er: "Ich habe bisher keinen Grund, Ihnen nicht zu glauben. Um ehrlich zu sein, habe ich schon an eine Art Zufall gedacht, denn anders konnten wir uns Ihr Eintreffen hier auch nicht erklären. Genau genommen ist das der Grund, warum Sie noch am Leben sind. Wir brauchen Ihr Schiff und Ihre Aussage, um genau zu analysieren, wie Sie in unsere Sphäre gelangt sind. Ein toter Pilot und ein Schiff, welches in seine Molekularbestandteile zerlegt wurde ...", er sieht meine ungläugigen Augen, " ... ja, sowas können wir, also ein toter Pilot und ein zerstörtes Schiff wären hier wenig hilfreich gewesen. Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, Sie als unseren Gast aufzunehmen."
    "Ich bin als Gast hier?"
    "Mit sehr eingeschränkten Rechten und auf Bewährung, ja. Aber lassen Sie sich gesagt sein, dass wir Neugierde nicht leiden können und das wir auch keine Erfahrung im Umgang mit anderen Völkern haben. Das als Entschuldigung vorab."
    "Ich verstehe.", erwidere ich leise, "Ich werde Ihnen alle Ihre Fragen beantworten und mit meinem Schiff können Sie machen, was immer Sie wollen. Ich betrachte Sie zur Zeit eher als meine Retter denn als meine Feinde."
    "Gut, ", kommt es aus dem Mund von Commander Rulf ", "dann haben wir uns denke ich verstanden. Das hier ist übrigens Ihre vorläufige Unterkunft. Seien Sie also unser Gast."
    "Das hier ??? Ähhh, ich weiß nicht, wie Sie das hier machen, aber in der Gesellschaft aus der ich komme, haben wir in unseren Unterkünften sowas wie Betten, Ablageflächen, Möbel halt. Ich möchte nicht unhöflich erscheinen, aber mit nur einem Tisch und zwei Stühlen werde ich hier schnell wahnsinnig. Ausserdem benötige ich ein Bad, also mit allem, was dazu gehört, Sie verstehen?"
    "Ich sehe schon, Sie müssen noch sehr viel lernen." lächelt er mich an und im gleichen Moment erscheint eine komplette Möbelausstattung und ein Teil des Raumes ist plötzlich abgetrennt, wohl das Bad. Ich sitze mit offenem Mund da, während er sich anschickt, den Raum zu verlassen. Kurz bevor er an der Wand angekommen ist, in welcher sich sicher gleich wieder plötzlich eine Tür befindet, halte ich ihn auf: "Commander?". Er bleibt stehen, dreht sich aber nicht um. "Ich weiß, ich bin nicht in der Position, Fragen zu stellen. Aber bitte erlauben Sie mir trotzdem eine: Sie reden immer von 'Wir'. Wer seid Ihr?"
    Er hält kurz inne, wendet sich zu mir und sagt: "Wer wir sind? Wir nennen uns die FRONTIERS."


    to be continued ... (nächste Folge erscheint am Montag. Happy Weekend!

    Grüße
    Josh (Cmd Crazy Pilot)